Falschparker

Willkommen auf dem "Autoboulevard"

Lohbrügge. "Hier kommt man ja überhaupt nicht vorbei. Können die nicht woanders parken?" Die junge Frau mit dem Kinderwagen weicht verärgert auf die Fahrbahn aus. Nicht ganz ungefährlich auf dem Boulevard Lohbrügge.

An die vorgeschriebenen 20 Kilometer pro Stunde hält sich hier zwischen Eisenbahnbrücke und Marktkauf-Center nämlich längst nicht jeder Autofahrer. Was Fußgänger und Geschäftsinhaber derzeit aber richtig auf die Palme bringt, ist das wilde Parken auf den Gehwegen. Egal ob eine Ladezone oder eine Einfahrt blockiert wird, der schnelle Parkplatz für den persönlichen Einkauf scheint vielen wichtiger.

"Wir können unsere Werbe- und Verkaufsständer oft draußen gar nicht mehr aufstellen", beklagt Seban Lund (20) vom "Shoepoint". Am Sonnabend parkten verbotenerweise den ganzen Tag Autos vor seiner Ladentür. Werktags sei ab 18 Uhr der Gehweg dicht. "Die Polizei müsste hier viel öfter kontrollieren."

Stephan Schmidt (33), stellvertretender Filialleiter der "Bäckerei Junge", sagt: "Es müssten einfach mehr Parkplätze her. Es kann doch nicht sein, dass die Polizei herkommt, selbst falsch parkt, ihre Brötchen kauft und anschließend hier Knöllchen verteilt." Die Leute seien mangels Alternative einfach gezwungen, kurz auf dem Gehweg zu halten.

Auch im Nagelstudio gegenüber sind Mitarbeiter und Kunden verärgert. "Jeden Tag beschweren sich die Leute bei uns. Wir brauchen dringend mehr Parkplätze in der Nähe, werden hier völlig zugeparkt", sagt Mitinhaber Tran Xuan Phong. In der benachbarten Eisdiele ärgern sich die Mitarbeiter über die täglich blockierte Ladezone, bei "Silky Moden" über die zugeparkte Einfahrt. "Gerade abends stehe ich hier oft und warte, bis sich der Falschparker fortbewegt, damit ich mit meinem Wagen raus kann", sagt Inhaber Ram Gurditta.

Hans-Jürgen Gäth, oberster Verkehrspolizist Bergedorfs, hat Verständnis für die genervten Bürger. "Wir würden gern mehr kontrollieren, haben aber einfach nicht genügend Personal." Gerade am Wochenende seien die wenigen verfügbaren Kräfte oft bei Fußballspielen oder anderen Veranstaltungen eingesetzt.

Das Bezirksamt sei jetzt schon tätig in Sachen Falschparken auf dem Boulevard, sagt Sprecher Dr. Andreas Aholt. "Unser Bezirklicher Ordnungsdienst hat den Boulevard Lohbrügge als Schwerpunkt erkannt und kontrolliert mindestens zweimal täglich die dort parkenden Autos." Nur das Be- und Entladen sei an wenigen Stellen, auf der rechten Seite von der Eisenbahnbrücke aus gesehen, erlaubt. 15 Euro müssen ertappte Falschparker berappen. Genervte Geschäftsinhaber oder Bürger können im Fall der Fälle nicht nur die Polizei, sondern auch den Bezirklichen Ordungsdienst (BOD) um Hilfe bitten. Der BOD in Bergedorf ist unter Telefon (040) 428 91-30 30 erreichbar.

Als vor gut einem Jahr der Boulevard Lohbrügge - saniert für insgesamt 1,4 Millionen Euro - feierlich eingeweiht wurde, freuten sich die Geschäftsinhaber, hofften auf viele zufriedene Kunden. Heute sind viele genervt. "Das ist ein Autoboulevard", sagt Passant Peter Stellwagen.

"Wir würden gern mehr kontrollieren, haben aber nicht genügend Personal."

Hans-Jürgen Gäth, Chef der Bergedorfer Verkehrspolizei