37. LiLaBe

Wenn die Polizistin auf dem Bullen reitet

Lohbrügge. Hans Herbert Böhrs kurvt auf Rollschuhen über die Tanzfläche und bringt den Musikern Flachmänner mit Jägermeister: "Kleine Stärkung, ihr seid super", lacht der 72-jährige LiLaBe-Veranstalter. Angst vor Stürzen hat er nicht: "Es ist doch so voll hier, dass man gar nicht umfallen kann."

Stimmt! Mehr als 10 000 Besucher, der größere Teil davon am Sonnabend, stürmten die Faschingsparty auf dem HAW-Campus. Stephie Mertens aus Lüneburg lobte: "LiLaBe ist einfach einmalig. So etwas gibt es in ganz Deutschland nicht noch mal." Seit sie 18 ist, kommt die 27-Jährige jedes Jahr im Februar nach Bergedorf. Die größte Verkleidungsparty Norddeutschlands hatte, nach Angaben von Börs, von 1976 bis heute schon knapp ein halbe Million Besucher. Sogar aus München kommen die Kostümfans: So Timo Stadler, der sich mit Stethoskop und weißem Kittel als Arzt "verkleidet" hat. Der 36-jährige Mediziner gesteht eine kleine Mogelei: "Ich habe mich gar nicht kostümiert. Das ist tatsächlich meine normale Berufskleidung."

Auf sechs Tanzflächen heizen Discjockeys und Livebands den Besuchern ein. "Schatzi schenk mir ein Foto", donnert der Partyschlager durch die Halle und viele hundert Gäste zücken Handys und Fotoapparate. Ein Blitzlichtgewitter überstrahlt die Lichteffekte der Bühnenscheinwerfer. An lohnenden Motiven mangelt es nicht: "Die meisten LiLaBe-Besucher kommen nicht mit Kostümen von der Stange", erklärt Veranstalter Böhrs: " Einige machen sich schon Monate vorher Gedanken und fangen an, zu schneidern und zu basteln." Und natürlich gab es wie immer viel nackte Haut zu sehen. Melanie, Kathrin und Kirsten fallen als Krankenschwestern durch extrem kurze Kittel auf. "Die Kerle fahren da total drauf ab", stellte Kathrin fest. Ob sie etwas drunter trägt, will die 21-Jährige lieber nicht verraten.

Wer Durst hatte oder auf die Toilette musste, brauchte mächtig Geduld. "Ich warte schon 15 Minuten", flucht Rainer Schmidt (39). Die Enge führte hin und wieder auch zu Rempeleien. Gefühlt ging es diesmal rauer zu, als in den letzten Jahren. Auch bei Anreise: Sonnabend floh ein Mann im Supermann-Kostüm nach einer Schlägerei in der S 21 vor Bundespolizisten. Der Superman stand unter Drogen, hatte bei der Festnahme zwei Tüten Marihuana dabei.