Haus im Park

Roger Willemsen: Meister der leisen Töne

Bergedorf. Ein Tisch, ein Stuhl und ein Mann in einem grauen Sakko. Nur das und nicht mehr bekommen die etwa 250 Zuschauer im Theater Haus im Park zu sehen. Bei weitem nicht so unscheinbar ist es aber, was der Mann zu erzählen hat.

Denn es handelt sich um keinen Geringeren als den Publizisten und Fernsehmoderator Roger Willemsen (56), der bekannt ist für seine leisen Töne.

Tatsächlich wirkt es fast, als würde er flüstern, als er zu sprechen beginnt. "Ich habe mich schon lange, lange auf Sie gefreut", begrüßt er die Bergedorfer. Ein Satz, der sicher nicht ganz ernst gemeint ist - und doch fühlt sich jeder geschmeichelt. Mit erstaunlicher Präzision findet jeder Satz, jedes Wort von Willemsen sein Ziel. Seine Pointen sind ungezwungen und sein Humor ist ehrlich. Sicherlich ein Grund, warum das Publikum gebannt seinen Erzählungen lauscht. Es ist dabei so leise im Saal, dass jedes kleinste Rascheln zu hören ist.

"Wenn du wirklich wissen willst, wie der Wald ist, musst du dich nur für eine halbe Stunde tot stellen", sagte Willemsen einmal ein Jäger. Seitdem ist er immer nach diesem Prinzip gereist.

Der Mann mit dem markanten Fernsehgesicht erzählt von seinen vielen Reisen und den ganz kleinen Erlebnissen, die im begegnet sind. Es ist, als ob er mit der Lupe durch seine Erinnerungen geht.

Viele der Geschichten handeln von Unscheinbarkeiten, die man im Alltag getrost übersehen würde. Willemsens Stimme gibt auch diesen Dingen eine Bedeutung, die keiner anzuzweifeln vermag. Er erzählt von aufgequollenen, verschimmelten Gewürzgurken, mikrobenbesetzten Teppichen und grenzwertigen Fleischgerichten. Willemsens Wortwahl ist dabei einzigartig unterhaltsam. In Tibet erlangt er erstaunliche Erkenntnisse über die Unterwelt. So soll ihm ein dortiger Priester erzählt haben: "Die Dämonen haben es auch schwer, denn wir beten ja so viel."

Das Publikum amüsiert sich und der Künstler ist ebenfalls bester Laune. Die anderthalb Stunden vergehen wie im Flug und nur mit spürbarem Widerwillen lassen die Zuschauer Roger Willemsen nach langem Applaus von der Bühne. Die Vorstellung war atemberaubend und einzigartig. Zu bedauern ist nur, wer nicht gekommen ist. Denn es hätten noch 220 weitere Leute ins Theater am Gräpelweg gepasst.