Gastronomen

Feuer frei? Die meisten Wirte wollen nichts ändern

Bergedorf (cn/kb). Ab heute kann in einigen Bergedorfer Restaurants wieder geraucht werden. Die Karlsruher Verfassungsrichter haben die Hamburger Rauchverbotsregelung gekippt (siehe auch S. 5).

Hintergrund ist die Gleichstellung von Speisegaststätten und Kneipen, in denen es nur Getränke gibt. Sie durften Raucherräume einrichten, die Restaurants dagegen nicht.

Thorsten Lapp, Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), begrüßt die Entscheidung: "Nun gibt es endlich wieder Gleichheit innerhalb der Gastronomie", sagt er. In seinem Restaurant "Zur Lüttenburg" allerdings will er zunächst abwarten. "Wenn es gewünscht ist, werden wir wieder einen Raucherraum ausweisen." Lapp ist besonders wichtig, dass die Kollegen, die viel Geld in Raucherräume investiert hätten, diese nun auch nutzen könnten.

Für Carsten Bade, Manager des "Ramada"-Hotels, wird sich zunächst nichts ändern. "Ich finde gut, dass die Regelung gekippt wurde. Das schafft wieder ein Stück weit Wettbewerbsgleichheit zum nahen Schleswig-Holstein. "Wir warten ab, was die Politik daraus macht. Generell hoffe ich auf eine bundesweite Regelung, die uns Rechtssicherheit bringen würde."

Torsten Reinholz, der neue Pächter des "Holstenhofes", sagt: "Bei uns wird sich gar nichts ändern. Wir sind zufrieden mit dem Rauchverbot. Unsere Gäste würden es nicht gut finden, wenn bei uns wieder geraucht würde."

17 000 Euro hat Toni Everest, Geschäftsführer vom Bergedorfer "Schweinske", 2009 in die Glaswand für einen Raucherraum investiert. "Die wollte ich schon wieder rausreißen, jetzt kann ich den Raucherraum endlich wieder in Betrieb nehmen." Erste Gäste saßen am Nachmittag schon in dem Separee und genossen ihre Tasse Kaffee mit einer Zigarette. Everest freut sich: "40 Gäste finden in dem Raucherraum Platz, das wird unseren Umsatz steigern."

Der neue Geschäftsführer des "September" glaubt das nicht. Er hat seine für 10 000 Euro montierten Trennscheiben längst wieder abgebaut. "Ich habe sie noch im Lager, werde aber erst mal abwarten", erklärt Bujar Gerguri: "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. An das Rauchverbot haben sich unsere Gäste gewöhnt. Ich möchte die Diskussion nicht neu entfachen."

Auch das "Blockhouse" wird rauchfrei bleiben, gab der Vorstand der Restaurantbetriebe Stephan von Bülow bekannt: "Wir halten das für zukunftsweisend." Stattdessen ringt man mit dem Denkmalschutzamt, damit die Raucher vor der Tür des historischen Hauses ein Vordach und Windschutz bekommen können. In den anderen Filialen ist das schon Standart.

"Die sind nicht ganz dicht, mit dem Hin und Her", spricht Mike Weil vom "Belami" aus, was alle Gastronomen denken. Er will seinen Raucherraum nicht wieder aktivieren. "Wer will schon ins Hinterzimmer oder in ein Aquarium abgeschoben werden?" Sein Restaurant verfüge über einen überdachten Innenhof. "An den Gang vor die Tür haben sich die Raucher längst gewöhnt, da werden neue Bekanntschaften gemacht."