Ein-Euro-Jobs

Arbeitslose sammeln jetzt Geschichten

Lohbrügge. Sie wollten Werbung machen für das neue Projekt für Langzeitarbeitslose - doch das ging im Stadtteilbeirat Lohbrügge kräftig nach hinten los. Die 25 "Geschichtensammler", die künftig vom Beschäftigungsträger Hamburger Arbeit (HAB) durch Lohbrügge und Bergedorf geschickt werden, müssen mit kritischen Kommentaren rechnen.

Sie sollen "das dickste Buch Hamburgs" erstellen, mit Kamera und Aufnahmegerät durch die Stadtteile ziehen und Menschen nach interessanten Geschichten befragen. In Bibliotheken, sozialen Einrichtungen, Altenheimen und in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme wird gefragt, ob es etwas Spannendes zu berichten gibt - ohne inhaltliche Vorgaben. 25 Ein-Euro-Jobber - zwischen 27 und 64 Jahre alt - sollen dadurch selbstbewusster werden, dass sie auf fremde Menschen zugehen und Deutsch sprechen, etwa die Hälfte von ihnen hat eine andere Muttersprache. Nach ihren Recherchen lernen sie, am Computer zu schreiben und die Seiten zu gestalten.

"Die interessierten Teilnehmer werden uns zugewiesen. Jetzt suchen wir noch Orte, an denen sie willkommen sind", warb Brigitta Steen von der HAB, die jeweils 25 "Geschichtensammler" auch durch Wandsbek, Rothenburgsort und Eidelstedt schicken will, damit das Buch auch wirklich dick wird und gute Erlöse erzielt - sie sollen der Hamburger Tafel dienen.

"Was soll das uns Lohbrüggern bringen?", fragte zögerlich der Vorsitzende des Bürgervereins, Fritz C. Hamester. "Das ist ein absolutes Null-Projekt, das im Stadtteil zu nichts nutze ist", schimpfte dann auch Dr. Ingrid Stöckl, die im Bezirksamt für die Stadtteilentwicklung zuständig ist. Sie ärgert sich gewaltig: "Für so etwas ist Geld da, aber das Café im Haus brügge bekommt keine Ein-Euro-Kräfte mehr. Das finde ich naiv."

Skepsis auf breiter Front war zu hören: "Sind die Kosten für die Herstellung des Buches schon berücksichtigt?", fragte Angela Jeglin vorsichtig an. Sie ist beim Bergedorfer Beschäftigungsträger "Sprungbrett" beschäftigt und weiß um die dürftige Aufwandsentschädigung. Vieles müsse sich noch ergeben, hieß es vage bei der HAB: "Leider können wir unseren Teilnehmern auch keine Eintrittsgelder etwa fürs Museum auszahlen", sagte Brigitta Steen, die aber betonte, wie wichtig es für die Langzeitarbeitslosen sei, gefordert zu werden und eine Aufgabe zu haben.

Eine Herausforderung war es wohl insbesondere, diese Projektidee zu haben: Ein-Euro-Kräfte werden bekanntlich nur noch gefördert, wenn sie absolut niemandem auf dem freien Arbeitsmarkt Konkurrenz machen.