Obdachlosigkeit

Erst war der Job weg, dann reichte das Geld nicht mehr für die Miete

Lohbrügge. Winternotprogramm der Stadt - das klingt nach Obdachlosigkeit, nach verkrachten Existenzen, nach aus den Fugen geratenen Leben. Hoch lebe das Vorurteil! Denn das muss nicht so sein, wie Faris Draooi (35) zeigt.

Der marokkanische Student der Informations- und Elektrotechnik wohnt seit fast vier Wochen gemeinsam mit einen 25-Jährigen in einem der vier Container, die auf dem Gelände der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde am Ladenbeker Furtweg stehen. Faris Draooi hatte einfach Pech. Er finanziert sein Studium selbst, bekommt keine Unterstützung. Der Job lief aus und er fand keinen neuen. "Das ist wirklich auch Glück. Fleiß allein reicht nicht", sagt er. Man müsse in der richtigen Minute an der richtigen Stelle sein. Sein letzter Job als Kommissionierer war eine Saisonarbeit. "Nach einiger Zeit war das Geld alle und ich konnte die Miete nicht zahlen. . . "

Vom AStA habe er die Adresse der Kirchen-Gemeinde bekommen und sei dankbar, hier untergekommen zu sein. Wenigstens hat er Zeit zu lernen. Zwei Semester fehlen bis zum Bachelor-Abschluss. "Es geht ganz gut. Im Container gibt es neben den beiden Betten eine Lampe, einen Schrank und einen Tisch, an dem kann man lernen", sagt er bescheiden. Und das macht er, denn für das nächste Semester hätte er gerne ein Stipendium. Wer für Faris Draooi, der gut deutsch spricht, einen längerfristigen Job hat - gern verbunden mit IT, Programmierung und Elektrotechnik, erreicht ihn über Pastorin Franziska Suhail, Telefon (040) 60 08 38 60.

Ihre Gemeinde stellt seit 1993 im Winternotprogramm Platz für vier Wohn- und einen Bad/WC-Container und ist in diesem Winter die einzige im Bezirk. Die Unterkünfte für je zwei Männer stehen von November bis Mitte April. Sie können als Meldeadressen angegeben werden.

Ehrenamtliche bieten an jedem Abend einen Stunde zum Gespräch an. Sonntags gibt es ein gemeinsames, warmes Mittagessen. Mitorganisator Thomas Spicher betont die gute Zusammenarbeit mit der Sozialen Beratungsstelle, die sich sehr für die wohnungslosen Männer einsetze und schon so manchem eine Wohnung vermittelt habe.

Die Kirchen-Gemeinde Franz von Assisi am Grachtenplatz berät, ob sie nach einer Pause wieder Platz für Container stellen soll. Pastor Thomas Heß schließt langfristig auch den Bau von einer oder zwei Kirchenkaten nicht aus. Diese Häuschen werden rund ums Jahr vermietet und bieten Obdachlosen den Einstieg in die Sesshaftigkeit.