Schloss

Museum ohne Personal und Geld?

Bergedorf. "Absurd", "Unding" oder "Realsatire": Diese Stimmen zur Entscheidung der Hamburger Museumsstiftung, Dr. Olaf Matthes künftig nur noch einen Tag in der Woche als Museumsleiter im Schloss zu belassen, belegen den Bergedorfer Verdruss.

Zudem ärgert eine von Matthes-Anhängern geschaltete Anzeige, mit der seine "erfolgreiche Museumsarbeit" gewürdigt wird, Kritiker: Unter den genannten Ausstellungen sehen sie einige, an denen Matthes nur geringen Anteil hatte.

"Nach Sabbatjahr und Teilzeitarbeit in Hamburg soll Dr. Matthes jetzt noch einen Tag im Schloss tätig sein", kritisiert der Bergedorfer Linksabgeordnete Ernst Heilmann. "Es ist Realsatire, dass seine Freunde noch Anzeigen schalten, was er angeblich alles tolles für Bergedorf leistet."

Die Nachricht von der Bergedorf treffenden Stellenkürzung habe ihn "überrascht, aber nicht erschreckt", sagt SPD-Kulturpolitiker Gerhard Lein: "Dr. Matthes war ja bislang schon Teilzeit-Museumsleiter. Es stellt sich die Frage, wie hoch seine Präsenz bisher war." Die Entscheidung der Bürgerschaftsmehrheit für eine Herauslösung von Bergedorf-Museum und Rieck-Haus aus der Stiftung hält der Lohbrügger Bürgerschaftsabgeordnete weiterhin für richtig. Lein setzt auf eine "faire Trennung" und warnt: "Die Stiftung historische Museen agiert ja nicht unter Ausschluss jeden politischen Einflusses."

Das vermutet auch Dennis Gladiator: "Ich denke nicht, dass die Stiftung im Fall Matthes ohne Rücksprache mit der Kulturbehörde gehandelt hat. Doch die Senatorin steht im Wort, dass es bis zur Entscheidung über das neue Konzept keine Veränderungen geben soll", mahnt der Bürgerschaftsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende.

Eine Anfrage an den Senat soll Klarheit in mehreren Punkten bringen. Die Stiftungsleitung dürfe nicht erst signalisieren, "dass Bergedorf mehr Personal braucht, so für Veranstaltungsmanagement. Und kurz darauf wird die Stelle des Leiters zurückgefahren", kritisiert Gladiator. "Es wäre absurd, wollte die Stiftung nach dem Motto verfahren, wir geben die Häuser ab, behalten aber das Personal."

Wie Gladiator meint auch die GAL-Kulturpolitikerin Ute Becker-Ewe, mit der Bürgerschaftsentscheidung zur Herauslösung von Schloss und Rieck-Haus hätten auch die notwendigen Finanzen und die Stellen definiert werden müssen. "Ohne Geld und Personal funktioniert nichts. Sobald das Konzept des Bezirksamtes zur Übernahme auf dem Tisch liegt, muss darüber gesprochen werden." Sie favorisiere weiter eine Bergedorfer Museumslandschaft, "mit neuem Stiftungskonzept wäre aber auch eine Hamburger Lösung eine Option".

In den Chor der Kritiker zur Personalie Matthes mag Ute Becker-Ewe nicht einstimmen: "Seine Abberufung aus Bergedorf würde doch den Wünschen der SPD-Mehrheitsfraktion entsprechen." Dies gilt jedoch auch für Ernst Heilmann: "Sollte Dr. Matthes gehen wollen und seine Stelle bleibt in Bergedorf, hätten wir sicher nichts gegen eine solche Lösung."