Das Orangenmädchen

Zu lockerer Umgang mit Gaarders Philosophie

Bergedorf. Wenn Lieblingsbücher der eignen Jugend auf die Leinwand oder die Bühne gebracht werden, können kleine Abweichungen zur Enttäuschung werden.

Die Inszenierung des Altonaer Theaters von Jostein Gaarders Roman "Das Orangenmädchen" hielt genug dieser Schlenker bereit. Worum es geht, ist schnell gesagt: Ein Vater hinterlegt im Sterbebett einen Brief an seinen Sohn, der noch ein Kind ist. Mit fünfzehn Jahren entdeckt der Junge die Botschaft seines verstorbenen Herrn und liest darin über dessen erste große Liebe, in der unter anderem eine Dame mit Vorliebe für Orangen eine Rolle spielt. Fertig ist ein nachdenkliches und lesenswertes Buch über Zeit, Tod, aber vor allem das federleichte Gefühl verliebt zu sein.

Das Altonaer Theater geht mit diesen Zutaten freilich locker um. Sei es den gefühlt zwanzig Liedern geschuldet oder den Dialogen, in denen mit aller Hektik der Text runtergerasselt wird. Regisseur Harald Weiler hat Gaarders fein heraus gemeißelte Charaktere platt gewalzt: Aus dem verträumten Sohn Georg wird ein junger Wüterich, aus dem kranken Vater ein Streithammel und aus dem faszinierendem Orangenmädchen eine bodenständige Frau.

Da hilft es auch nichts, dass Orangen ans Publikum verteilt werden und musikalisch ein beachtenswerter Marathon von Hagen Kuhr am Cello und Stephan Sieveking vorm Flügel hingelegt wird. Es gelingt dabei nicht, Gaarders philosophische Gedanken in den Liedern unterzubringen.

Dabei hätte der Abend die Chance gehabt, unser oft von Psychologen als befremdlich bezeichnetes Verhältnis gegenüber dem Tod zu behandeln. Stattdessen gab es Liedzeilen wie: "Immer wenn er redet, wird's speziell, muss er zum Psychiater oder ist er homosexuell". Prost, Mahlzeit!

Bei so viel Kritik sei gesagt, dass nicht alle diese Meinung teilen. Zwar packten ein paar nach der abrupten Pause ihre Sachen, das Gros der Zuschauer spendete aber wohlwollend Applaus, als sich der Vorhang schloss. Am Mittwoch, 20 Uhr, kann sich jeder im Haus im Park, Gräpelweg 8, ein Bild machen.