Leserbriefe: Problematik um das Heimatmuseum Bergedorf

"Die Entscheidung der Stiftung über den Abzug des Abteilungsleiters ist mehr als durchsichtig"

Betr: "Schloss nur noch Postkartenmotiv?" Bergedorf-Seite vom 21. 1. 2012

Vor der Herauslösung des Museums für Bergedorf und die Vierlande aus der Stiftung Historische Museen und der Übernahme durch das Bezirksamt Bergedorf wird noch schnell der Abteilungsleiter aus Bergedorf für vier Tage offiziell abgezogen, um im Hamburg Museum das Archiv und die Einzelblattsammlung zu übernehmen. Diese Entscheidung der Stiftung ist mehr als durchsichtig. Vielleicht sollte den Damen und Herren der Stiftung einmal in Erinnerung gebracht werden, wie das Museum für Bergedorf und die Vierlande zur Planstelle eines Museumsleiters gelangte. Als ich mich 1986 als Geschichtslehrer der Gesamtschule Öjendorf im Rahmen des so genannten Lehrerprogramms mit der Planstelle der Schulbehörde in die Kulturbehörde versetzen ließ, um das Bergedorfer Museum zu betreuen, stand hinter meiner Planstelle ein "kw" (künftig wegfallend). Das bedeutete, dass mit meiner Pensionierung (2001) der Kulturbehörde und damit dem Museum die Planstelle wieder entzogen worden wäre. Während meiner 14-jährigen Tätigkeit als Abteilungsleiter im Bergedorfer Museum habe ich mich bemüht, meine ganze Kraft den Aufgaben eines Heimatmuseums zu widmen und das meistens mehr als fünf Tage die Woche. Um dem Bergedorfer Museum die Planstelle zu erhalten, habe ich mich mit Hilfe der damaligen Bezirksamtsleiterin Christine Steinert, mit dem Bezirksparlament, den großen Parteien CDU und SPD, dem Bergedorfer Bürgerverein, der Bergedorfer Zeitung und dem Museumsverein dafür eingesetzt, eine dauerhafte Planstelle von der Kulturbehörde einrichten zu lassen. Die Bemühungen hatten Erfolg. Das bedeutet, dass diese Planstelle ganz und gar dem Bergedorfer Museum zur Verfügung gestellt wurde. Nach dem jüngsten Beschluss der Stiftung soll nun der Inhaber dieser Planstelle, der jetzige Abteilungsleiter im Bergedorfer Museum, nur noch einen Tag pro Woche dem Bergedorfer Museum zur Verfügung stehen. Ich frage mich und die Damen und Herren, die für diesen Beschluss verantwortlich sind, wie das Heimatmuseum Bergedorf seine Aufgaben (Sammeln, Forschen, Darstellen, etc.) wahrnehmen soll. Schließlich geht es bei der Erfüllung der Aufgaben eines Verantwortlichen für das Bergedorfer Museum nicht nur darum, einmal wöchentlich nach dem Rechten zu schauen. Wo bleiben dann die Erforschung der jüngeren Geschichte unseres Bezirks und deren Darstellung, die Anwesenheit in der Bergedorfer Öffentlichkeit, der Kontakt mit den Bergedorfer Institutionen, Vereinen und Menschen, die Mitarbeiterbetreuung etc.? Bei der Einschätzung dieses Vorganges und mit ihm stellt sich für Politik und Öffentlichkeit insbesondere eine Frage: Die Hamburger Bürgerschaft hat dafür votiert, das Museum für Bergedorf und die Vierlande aus der Stiftung herauszulösen, um als funktionstüchtige, eigenständig arbeitende Kultureinrichtung im Bezirk Bergedorf für die Bergedorfer und Bergedorferinnen tätig zu werden. Will die Stiftung mit ihrem überfallartigen Beschluss dieses Votum der Bürgerschaft umsetzen oder sabotieren?

Alfred Dreckmann, 21029 Hamburg