Biergartenlesung

Tanja Dückers begeistert in letzter Literatur-Runde

Bergedorf. Sie zählt zu den prominentesten Schriftstellerinnen Deutschlands. An der Berlinerin Tanja Dückers kann es also nicht gelegen haben, dass am Mittwochabend nur knapp 30 Literaturfans den Weg ins BeLaMi fanden.

Doch all jene, die zu dieser letzten Biergartenlesung der Saison gekommen waren, wurden belohnt: Mit der Lesung mehrerer Passagen aus ihrem jüngst erschienenen Roman "Hausers Zimmer" - einer sympathischen, gewitzten Reminiszenz an das zweigeteilte Berlin der Achtziger - fesselte sie die Zuhörer an der Holtenklinker Straße.

Die Handlung spielt in Berlin "in einer Zeit, als die Welt wieder eine Scheibe zu sein schien, oben und unten, West und Ost, Gold oder Blech, Schein oder Sein, Lüge und Wahrheit oder umgekehrt. . ." Berlin, immer noch Frontstadt, jetzt im kalten Krieg, ist für Dückers Protagonisten vor allem Heimstatt in Hinterhofwohnungen, in einer "gegensätzlichen Weltordnung mit Punks und Poppern".

Die Romanfigur Julika Zürn, deren Eltern Wiebke und Klaus auf die Band "The Mamas and the Papas" stehen und deswegen bei ihr "The Wiebkes and the Klauses" heißen, träumt sich in eine unendlich scheinende Welt, nach Patagonien. Sie träumt sich in das Zimmer des Motorradrockers Peter Hauser, der abends immer das Licht brennen lässt und beim Fernsehen einschläft. Tagsüber sucht sie sich ihren Weg "durch wuchernde Kunstwerke und macht sich ihren Reim auf die Welt". Der zauberhaften Geschichte konnte auch der Regen nichts anhaben, der eine halbe Stunde nach Beginn einsetzte und die Literatin nebst Zuhörer ins Kneipeninnere trieb.

Langer Beifall war Dückers' Lohn, und obwohl dies die letzte Biergartenlesung unter der Regie von Ella Marouche und Huug van't Hoff war - sie widmen sich anderen Aufgaben -, dürfen sich die Bergedorfer auf neue literarische Höhepunkte freuen. Zwar nicht in den Biergarten, aber in die Kneipe lädt Wirt Mike Weil ab Oktober wieder Autoren ein. Und 2012 wird es erneut Biergartenlesungen geben.