Insolvenz

Kleiner Buchverlag in liebevolle Hände abzugeben

Bergedorf. Vielleicht hat Dieter Bohlen noch eine gute Idee zur Vermarktung. "Ich habe ihm auf jeden Fall mal ein paar Bücher geschickt", sagt Corinna Holzheimer. Die 44-Jährige musste indes zuletzt traurige Post verschicken, an ihre Bergedorfer Autoren, an die Berliner Druckerei und an befreundete Verlage:

Der vor sieben Jahren gegründete Holzheimer-Verlag steht kurz vor der Insolvenz.

Gründe für die notwendige Insolvenzberatung gibt es viele: Ein Berg unverkaufter Bücher, eine unerwartete Steuernachzahlung, der plötzliche Tod der Mutter (76) und nicht zuletzt eine gesundheitlich angeschlagene Verlegerin: "Ich habe oft 80 Stunden pro Woche gearbeitet - in meinem Verlag und zudem freiberuflich als Lektorin fürs Hamburger Abendblatt. Jetzt aber kämpfe ich mit dem Burn-out-Syndrom", gibt die Mediengestalterin unumwunden zu.

Ihr Büro Am Güterbahnhof 13 hat sie noch nicht geräumt: "Vielleicht finde ich einen neuen Geschäftsführer oder kann meinen Verlag verkaufen." Eine Chance sieht sie noch in der Musikergeschichte von Carsten Pape, der über Bestechungen beim Eurovision Song Contest geschrieben hat: "Er will zum Rowohlt-Verlag wechseln. Ich werde mal fragen, ob sie die Rechte übernehmen wollen", sagt Corinna Holzheimer.

Dabei war sie dem Erfolg schon einmal ganz nah: Das erste Buch von Jaqueline Janke aus Altona wurde sogar vom NDR verfilmt. Die junge Frau war nach einem Unfall bis auf die Augenlider gelähmt und kämpfte sich zurück ins Leben. "Als sie im vergangenen Jahr ihre Geschichte bei Johannes B. Kerner erzählte, folgten sogar 500 Buchbestellungen, echt fett", berichtet Holzheimer. Doch längst nicht alle ihr eingesandten Manuskripte waren so gut: Die Biografie der Kriegsgeneration ist nicht gerade erbauend, auch Gedichte werden kaum noch gelesen. "Und es ist schwer, einen No-Name zu vermarkten, wenn der keine Lesungen machen will und es kaum Geld für Werbung gibt", klagt Holzeimer, die in Neuallermöhe lebt.

Aus Österreich und sogar aus Dubai kommen manche Autoren der gut 100 Buchtitel. Die meisten aber stammen aus dem heimischen Umfeld: Die Nettelnburgerin Rita Wagner fand sich bei den Anthologien, die Bergedorfer Heilpraktikerin Hildegard Fuhrberg schuf das wunderbare Kinderbuch "Pias Zaubergarten". Frederike Witt aus Neuallermöhe schrieb schon mit 16 Jahren ihren ersten Cyber-Roman, der Bergedorfer Meteorologe Rudolf Eissing gab in gleich drei Bänden seine abstrakten Fantasien preis. Auch Eckard Koch aus Reinbek belustigte seine Leser, mit unchristlichen Zitaten in "Ach, du lieber Gott".

Frisch aus dem Druck kommen 64 Seiten mit dem Titel "Kommen Sie noch DICHTER" von dem Geesthachter Michael Swic. "Für ihn möchte ich noch Lesungen organisieren. Ich lasse meine Autoren nicht im Regen stehen und werde andere Verlage fragen, ob sie Bücher aus meinem Programm aufnehmen", verspricht Corinna Holzheimer, die sich mit wunder Seele aus dem Verlagsgeschäft verabschieden wird.

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