Ein Maschendrahtzaun soll den seltenen Käfer schützen

Försterin Christine Franke hatte in der Göhrde gerade ein Fortbildungsseminar über Flora und Fauna in Tothölzern absolviert, da machte sie an dem hohlen Eichenbaum am Bille unterhalb des Billtal-Stadions eine Entdeckung: "Da lagen Kotpillen wie vom ,Eremiten'". Sollte diese sehr seltene und mit höchster Priorität geschützten Käfer tatsächlich in dem alten Eichenbaum wohnen?

Möglich war das durchaus, denn der Eremit hält sich vorzugsweise in den weich gewordenen Teilen des toten Holzes ("Mulm") auf, insbesondere wenn einige Äste des Baumes noch leben. Genau diese Voraussetzungen waren bei der hohlen Eiche gegeben. Christine Franke zog einen Käferexperten zu Rate und hatte Gewissheit. Tatsächlich wohnten in dem Baum mehrere Hundert Eremiten.

Das war im Sommer 2008, und seitdem beobachtet die Försterin die halbtote Eiche mehrmals im Monat. "Dort wohnen nicht nur die Käfer, sondern auch Hornissen und andere Insekten", sagt sie. Doch leider wird der Baum mit der großen, höhlenartigen Öffnung unten am Stamm auch immer wieder von Menschen heimgesucht, die in den Stamm klettern oder Abfälle hineinwerfen. "Neulich hat sogar jemand versucht, ein Feuer im Baum zu entfachen", sagt Franke verständnislos. "Das wäre natürlich das Ende für die Eremiten gewesen."

Um Baum und Käfer vor derlei schädlichen Zugriffen zu schützen, lässt die Försterin nun einen Zaun rund um den Baum errichten. Kein unüberwindliches Bollwerk, sondern einen einfachen Maschendrahtzaun mit nur einem Meter Höhe. "Es soll eher eine optische Barriere sein", sagt Christine Franke, die gleichzeitig ein Info-Schild über Eiche und Käfer an einer Zaunlatte befestigt und auf die Vernunft der Passanten baut: "Wenn das nicht funktioniert, müssen wir den Zaun erhöhen. Die Pfähle haben wir vorsichtshalber schon mal zwei Meter hoch gemacht."

Die bis zu drei Zentimeter großen Eremiten sind von Juli bis September in und an ihren Brutbäumen aktiv. Nur etwa jeder siebte Käfer verlässt jemals die Bruthöhle. Die Käfer sind besonders an warmen Tagen über 25 Grad aktiv und können dann an den Brutbäumen oder am Eingang der Höhle beobachtet werden.

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