Restaurierung

St. Petri und Pauli: Altes Kleid wird wie neu

Bergedorf. Zwei Restauratorinnen haben sich die Kirche St. Petri und Pauli vorgeknöpft.

Seit gestern arbeiten Stephanie Silligmann (32) und Barbara Ebeling (40) am auffälligsten Schmuck des Gotteshauses - den Jahrhunderte alten Grabplatten und Grabsteinen, die den Turm und das Kirchenschiff nach außen verzieren.

"Diese Sandsteine sind täglich der Witterung ausgeliefert. Das hat seine Spuren hinterlassen", sagt Dr. Charlotte Klack-Eitzen (58), selbst Restauratorin und im Kirchenvorstand zuständig für die Erhaltung der über 500 Jahre alten Kirche in Bergedorfs Zentrum. Tatsächlich hat die Lesbarkeit der eingemeißelten Schrift und der Zustand der Familienwappen auf den Grabsteinen über die Jahre schon sehr gelitten. Denn die viele hundert Kilogramm schweren Platten sind bisher bestenfalls notdürftig und ohnehin nur dann repariert worden, wenn größere Stücke abgeplatzt waren.

Jetzt machen sich Silligmann und Ebeling mit feinstem Sandstrahler, handlichen Spritzen für Injektionsmörtel und winzigem Werkzeug an die Erhaltung. In den kommenden Tagen geht es um den knapp zwei Meter hohen Doppelstein neben dem Eingang zum Turm. Das Werk trägt die Jahreszahl 1722 und war wahrscheinlich knapp 200 Jahre in den Fußboden von St. Petri und Pauli eingelassen. Darunter lagen, so steht es in die Platten gemeißelt, der "Ampts-Verwalter Laurens Wibeking und seine Erben". Anschließend nehmen sich die Restauratorinnen den Grabstein der Familie Schuldorff von 1657 vor, der an der Außenmauer des Chors nahe der Bergedorfer Schloßstraße steht.

"Die beiden sind besonders stark beschädigt und müssen jetzt konserviert werden, um den Winter unbeschadet zu überstehen", sagt Stephanie Silligmann. "Im kommenden Frühjahr folgt dann die eigentliche Restaurierung aller fünf an der Kirche aufgestellten Grabsteine."

10 000 Euro hat die Kirchengemeinde für die Arbeiten veranschlagt. Die Hälfte davon übernimmt das Denkmalschutzamt. Je 1000 Euro haben die Beerdigungsunternehmen E. Leverenz und Ollrogge-Kleinert gespendet - "zum Wahren der Bestattungskultur in Bergedorf, zu der unbedingt eine attraktive Kirche St. Petri und Pauli gehört", wie beide Firmen in ihrer Begründung ausführen.

Tatsächlich sind die fünf Grabsteine eindrucksvoller Rest der typisch kleinstädtischen Vergangenheit Bergedorfs: Bis 1831 wurden alle Verstorbenen auf dem einzigen, 2900 Quadratmeter kleinen Friedhof rund um St. Petri und Pauli beerdigt. Amtmänner und Bürgermeister sogar unter dem Kirchenfußboden. Als eine Cholera-Epedemie Anfang der 1830er-Jahre aber derart viele Tote forderte, dass der winzige Friedhof buchstäblich überlief, reagierten die Stadtväter konsequent: Aus Angst vor einem weiteren Ausufern der Seuche erließen sie die "Verordnung gegen das Beerdigen innerhalb des Städtchens Bergedorf".

Eilig wurde vor den Toren der Stadt eine Alternative gesucht und gefunden: Ab 1832 beerdigten die Bergedorfer ihre Toten auf dem Gojenberg im heutigen Park neben der Kirche St. Michael. 1907 löste dann der heutige Friedhof an der August-Bebel-Straße das wegen der benachbarten Tierkadaver-Grube lange umstrittene Provisorium ab - nach 75 Jahren.

"Die Sandsteine sind täglich der Witterung ausgeliefert. Das hat seine Spuren hinterlassen."

Dr. Charlotte Klack-Eitzen Kirchenvorstand St. Petri und Pauli