Gedenktafel

Gestern vor 77 Jahren war Bergedorfs Bücherverbrennung

Bergedorf (tv). Am 24. Juni 1933, den die Bergedorfer im Rahmen der Sommersonnenwende als "Tag der Jugend" feierten, bewegte sich gegen 22 Uhr ein gespenstischer Fackelzug mit 3000 Menschen vom Frascatiplatz durch die Stadtmitte bis zum Sportplatz am Schulenbrooksweg, angeführt durch die Bergedorfer Turnerschaft von 1860 und nationalsozialistische Studenten.

Dort stimmten die braven Bürger das Horst-Wessel-Lied an, entzündeten einen zuvor angehäuften Holzstapel und gaben - nach einem deutschlandweit streng festgelegten Ritual - 414 Bücher den Flammen preis. Bücher von jüdischen Autoren, Bücher mit sozialdemokratischen, mit liberalen oder einfach nur mit pazifistischen Gedanken, Bücher von Heinrich Heine und Lion Feuchtwanger, von Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky oder Erich Kästner. Die späten Abendstunden dieses 24. Juni gingen als Nacht der Bergedorfer Bücherverbrennung in die Ortsgeschichte ein.

Auf den Tag genau 77 Jahre später haben Bezirksamtsleiter Dr. Christoph Krupp und Christoph Mallok als stellvertretender Präsident der Bezirksversammlung am selben Ort, dem heutigen Fritz-Reuter-Sportplatz der TSG, eine Gedenktafel enthüllt. "Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen" - dieser mehr als 100 Jahre zuvor von Heinrich Heine formulierte Satz ist auf der Tafel zu lesen. Im Fall von Nazi-Deutschland sollte sich des großen Dichters Prophezeiung schnell bewahrheiten.

Christoph Mallok erinnerte gestern bei der Enthüllung vor einer kleinen Zuhörerschar aus Politik und Verwaltung daran, dass die Bücherverbrennungen durch Nationalsozialisten nicht die einzigen in der Geschichte der Menschheit waren: "Schon vor Jahrtausenden ließen chinesische Kaiser die Bücher ungeliebter Philosophen verbrennen. Päpste haben jüdische Schriften verbrannt, Protestanten die Bücher von Katholiken und umgekehrt. Serben zündeten 1992 in Sarajevo das orientalische Institut an, und noch in diesem Jahrtausend haben israelische Talmud-Schüler das Neue Testament und religiöse Aktivisten in den USA stapelweise Harry-Potter-Bücher verbrannt."

Einzigartig sei aber die strenge und flächendeckende Organisation dieser Freveltaten im Frühsommer 1933 gewesen. Von denen sind 93 in insgesamt 70 deutschen Städten historisch belegt.

"Bezirk enthüllt Tafel zur Erinnerung an 24. Juni 1933"

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