Flusssanierung

Die Schulenbrooksbek ist zu wild für Bergedorf

Bergedorf. Bei schönem Wetter ist die Schulenbrooksbek ein unscheinbarer Bach, der von Sternwarte bis Rathauspark leise vor sich hin plätschert. Bei Tauwetter oder starkem Regen kann sie sich aber zum reißenden Strom entwickeln.

Dann fließen bis zu 1000 Liter Wasser pro Sekunde durch das schmale Bachbett und nehmen Sandboden sowie Uferböschung mit sich.

"Um das in Zukunft zu vermeiden, müssen wir den Bachlauf stabilisieren", sagt Uwe Wehling, Leiter der Abteilung für Wasserwirtschaft in Bergedorf. Er will den kleinen Bach für rund 120 000 Euro sanieren lassen. Denn der Schlamm, den die Bek mit sich bringt, sammelt sich beispielsweise in dem Ententeich im Rathauspark. "Dort holen wir alle fünf Jahre bis zu 400 Kubikmeter angeschwemmten Schlamm raus, das entspricht ungefähr 40 Ladungen auf einem Kipplaster", sagt Wehling. Nach einem Dammbruch am Regenrückhaltebecken nahe der Sternwarte vor acht Jahren rollte im Bachbett sogar eine Flutwelle ins Tal. Das Wasser überschwemmte damals die Räume der Kita Bergedorfer Kids an der August-Bebel-Straße.

"Die Probleme mit einem solchen Gewässer sind meist hausgemacht - es sind einfach zu wenig Flächen da, auf denen das Regenwasser versickern kann", sagt Eike Schilling vom Naturschutzbund (Nabu). Durch die dichte Wohnbebauung und zahlreiche Straßen in der Umgebung fließe das Regenwasser in den Bach, der mitsamt seiner Ladung dann den Geesthang abwärts rauscht. Damit ähnelt er einem Gebirgsbach, allerdings: "In der Natur gibt es eigentlich keine vergleichbaren Gewässer, das ist das Problem", sagt Gewässerexperte Wehling und fügt hinzu: "Die Schulenbrooksbek ist sozusagen eine Mischung aus Gebirgsbach und Tiefland-Aue."

Die Ufer ähneln inzwischen an einigen Stellen bereits einer Miniaturausgabe des Grand Canyon. Wehling will sie im Mai, spätestens aber im Oktober befestigen. Im Bereich zwischen Ernst-Henning-Straße bis zur Brücke kurz vor Möllers Kamp soll die Bek in Teilstücken trockengelegt werden. Dann können Bauarbeiter die Ufer und den sandigen Bachboden neu gestalten. Dies geschieht beispielsweise mit Hilfe von Vlies und Geröll, das in Netzen gebündelt im Bachbett verteilt wird. Zuvor will Uwe Wehling mit einem Biologen das Gelände begutachten. Der Experte soll klären, welche Tiere und Pflanzen in den Uferregionen leben und besonderen Schutz brauchen.

"Die Schulenbrooksbek ist sozusagen eine Mischung aus Gebirgsbach und Tiefland-Aue:"

Uwe Wehling Gewässerexperte