Sternwarte

So bedeutend wie der Michel

Bergedorf (upb). Es ist wie ein Blick in die Schatztruhe der Hamburger Wissenschaftsgeschichte: Ein Besuch der Sternwarte auf dem Gojenberg in Bergedorf versetzt Fachleute wie Laien ins Schwärmen. Denn hier schlummert ein weitgehend unbekanntes Schmuckstück.

Für einen wissenschaftlich fundierten aber gleichsam verständlichen Einblick in die Geschichte und den heutigen Wert des 1906 bis 1912 erbauten Observatoriums lohnt sich ein Blick ins aktuelle Lichtwark-Heft (5,20 Euro in allen Buchhandlungen im Großraum Bergedorf). Denkmalschützerin Dr. Agnes Seemann, die gleichzeitig im Vorstand des Fördervereins der Sternwarte aktiv ist, stellt die verschiedenen Teleskope samt ihrer Gebäude und der Parkanlage vor. Ihr Fazit: "Die Hamburger Sternwarte dokumentiert wie kaum eine andere Sternwarte auf der Welt die technische, mit der astronomischen Wissenschaft einhergehende Entwicklung der Teleskoptechnik von etwa 1850 bis zur Gegenwart. Sie stellt daher ein wissenschafts- und architekturgeschichtliches Kulturdenkmal von nationaler und internationaler Bedeutung dar."

Tatsächlich trägt das Observatorium schon seit knapp einem Jahr den Titel "Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung" und steht damit auf einer Stufe mit dem Michel oder der Frauenkirche. Seit Oktober gilt es zudem als Kandidat für das Weltkulturerbe.

Im Lichtwark-Heft beschreibt Seemann zudem die Entstehungsgeschichte der Anlage. Denn ganz freiwillig hat der Hamburger Senat im Jahr 1901 nicht zugestimmt, den Neubau in Bergedorf zu errichten. Aber der alte Standort am Millerntor auf dem Gelände des heutigen Hamburg-Museums war nicht mehr zu halten. Die Behinderungen durch Licht, Rauch, Erschütterungen und Lärm hatten die Forschung unmöglich gemacht. Der Stellenwert der Astronomie für die Seefahrerstadt Hamburg im Bereich der Zeitmessung und Orientierung war allerdings so gravierend, dass der Neubau nahezu alles übertraf: In Bergedorf entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine der größten Sternwarten Europas.

Alles ist bis heute erhalten. Das macht die Anlage nach Meinung von Experten wie Dr. Seemann zum Dokument der Menschheitsgeschichte, zum "Weltkulturerbe".

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