Theater

Hotzenplotz mit Hindernissen

Bergedorf. Wenn Weihnachtsmärchen im Theater aufgeführt werden, sind die Säle voll besetzt. Die Kinder haben sich schon Tage vorher auf die Vorstellung gefreut, und entsprechend groß ist die Aufregung. Sie gehen mit und beteiligen sich lautstark an der Handlung. Das ist schön - kann aber auch ins Gegenteil umschlagen.

Als der Lichtwark-Ausschuss Otfried Preusslers "Der Räuber Hotzenplotz" im Haus im Park aufführte, hätte man den Schauspielern mitunter Mikrofone gewünscht, damit sie gegen den Lärm angekommen wären. Immer wieder waren es einige Mädchen, die beherzt "Seid doch endlich ruhig" riefen. Und bevor es nach der Pause weiterging, musste der Weihnachtsmann, der zuvor Süßigkeiten verteilt hatte, von der Bühne herab mahnend um mehr Ruhe bitten.

Wie gut, dass die meisten Kinder die Geschichte von der geraubten Kaffeemühle der Großmutter (Anne Schieber) schon aus dem Hotzenplotz-Buch kannten. So war es auch nicht so schlimm, dass der eine oder andere Satz in der allgemeinen Begeisterung unterging. In einem sparsam-phantasievollen Bühnenbild machten sich Kasperl (Marco Mehring) und sein Freund Seppl (Rolf Bach) auf ihre gefährliche Suche nach dem Räuber Hotzenplotz (Michael Leye) und seiner Beute. Der Wachtmeister Dimpfelmoser (Helge van Hove) wollte sich lieber aufs Protokollieren beschränken. Nebenbei erlöste Kasper noch die Fee Amaryllis, die der böse Zauberer Petrosilius Zwackelmann in eine Unke verhext hatte.

Regisseur Hans Schernthaner hatte sich einige lustige Szenen einfallen lassen. Die Schauspieler gingen in ihren opulent-phantasievollen Kostümen in ihren Rollen auf. Anne Schieber und Helge van Hove glänzten gleich in Doppelrollen. Die Schauspielerin war auch noch als schöne Fee zu sehen, und ihr Kollege machte als hintertriebener Zauberer eine beängstigend gute Figur.

Schade, dass sie sich nicht - wie man es von vielen Weihnachtsaufführungen her kennt - nach der Aufführung noch unter ihr junges Publikum mischten. Für die Kleinen ist das immer ein großes Erlebnis.

In Bergedorf endete die Vorstellung seltsam sang- und klanglos. Hatte niemand den jungen Zuschauern gesagt, dass man sich, anders als beim Fernsehen, im Theater mit lautem Beifall bedankt? Denn gefallen hatte die Vorstellung den Kindern zweifelsohne.