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Ernten Sie die Früchte am Wegesrand?

Seit einigen Wochen ist Erntezeit, und das nicht nur auf privaten Obstplantagen, Äckern oder Gärten. Auch an öffentlichen Plätzen und Straßenrändern, im Wald oder Knick, an Bachläufen und Ufern wächst der eine oder andere Vitaminlieferant heran und kann von jedermann abgeerntet werden. Derzeit sind vor allem Fliederbeeren, Äpfel, Birnen, Haselnüsse, Walnüsse, Schlehen, Hagebutten und weitere Wildfrüchte gesucht. (Für die meisten Pilzsorten oder Esskastanien war es diesen Sommer leider zu trocken.)

Um Früchte in ihrer Nähe zu finden, setzten jüngere, smartphone-affine Sammler vor allem auf Internetseiten wie mundraub.org, auf denen Tausende Standorte eingetragen sind. Ältere Sammer wissen aber in der Regel ohnehin, wo was in ihrer direkten Nachbarschaft zu holen ist. Und wer am Wochenende aufs Land fährt, entdeckt sicherlich noch mehr, denn gerade rund um alte Gutshöfe finden sich ganze Straßen mit alten Obstsorten.

Viele Gemeinden haben zudem Streuobstwiesen für ihre Bürger angelegt. Dort ist Ernten ausdrücklich erwünscht. Aber natürlich mit Augenmaß und nur für den Eigenbedarf.

Auch in den Wäldern dürfen Beeren, Nüsse und Pilze nur für den Eigenbedarf geerntet werden. Was eingezäunt ist, gehört jemanden und ist natürlich tabu.

Den Tatbestand des Mundraubs, also ein Diebstahl von geringer Menge oder von unbedeutendem Wert für den eigenen Gebrauch, gibt es übrigens seit 1975 nicht mehr. Seither ist das einfach ein Diebstahl wie jeder andere. Eine defensive Strategie führt aber angesichts der vielen Obstbäume, die die Besitzer nicht abernten, viel schneller zu einem vollen Erntekorb. Hier gilt: Einfach mal höflich und freundlich fragen, ob man sich einige Früchte pflücken darf. Ein Gegengeschenk in Form eines Apfelkuchenstücks oder einer Marmelade – „Das habe ich aus Ihren Früchten gemacht!“ – sichert bestimmt die nächste Gratis-Ernte.

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