Berlin

Niedriglohn trotz Ausbildung

DGB-Studie Kritik an fehlender Tarifbildung insbesondere ostdeutscher Unternehmen

Berlin. . Die duale Ausbildung gilt als deutsches Erfolgsmodell. Doch ein Garant für ein gutes Einkommen ist sie schon lange nicht mehr: Jeder fünfte Beschäftigte mit einem qualifizierten Berufsabschluss verdient weniger als 10 Euro brutto in der Stunde. In Ostdeutschland liegt die Quote sogar bei knapp 40 Prozent.

Gute Ausbildung,geringes Gehalt

Die duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule ist eine deutsche Besonderheit. Sie genießt national und international einen guten Ruf, weil sie für eine gute, qualifizierte Ausbildung sorgt. Allerdings: Selbst wer diese Ausbildung erfolgreich abschließt, kann sich nicht darauf verlassen, dass er anschließend von seiner Arbeit gut leben kann.

Viele Qualifizierte bekommen Niedriglöhne

Das zeigt eine neue Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Danach verdienen bundesweit 20,9 Prozent aller Beschäftigten mit einem anerkannten Ausbildungsabschluss weniger als 10 Euro brutto in der Stunde. Besonders hoch ist die Quote im Osten: Hier arbeiten 38,8 Prozent der Beschäftigten mit Berufsausbildung für einen Niedriglohn. Ein Grund dafür sei die fehlende Tarifbindung vieler ostdeutscher Unternehmen, so der DGB. Diese Zahlen stützt auch eine Untersuchung der Bundesregierung für das Jahr 2014. Demnach haben in dem Jahr rund 7,65 Millionen Beschäftigte (21,4 %) im Niedriglohnbereich gearbeitet. Ein Großteil der Niedriglöhner hat einen Berufsabschluss. Laut OECD gilt ein Lohn als Niedriglohn, wenn er weniger als zwei Drittel des mittleren Bruttolohns (= Median) beträgt. In Deutschland liegt die Niedriglohngrenze bei 10 Euro brutto in der Stunde bzw. 1 993 Euro brutto im Monat bei Vollzeitbeschäftigung.

DGB: Betriebe müssenAusbildung wiederattraktiver machen

„Kein Wunder, dass es unter diesen Bedingungen vielen Betrieben schwer fällt, ihre Stellen zu besetzen. Wer über einen vermeintlichen Fachkräftemangel klagt, darf keine Niedriglöhne zahlen“, sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Nur mit einer stärkeren Tarifbindung könne die duale Ausbildung wieder attraktiver werden: „Letztlich haben es die Betriebe selbst in der Hand, ob sich junge Menschen für ein Studium oder eine Berufsausbildung entscheiden. Wichtig sind eine gute Ausbildung, ein anständiger Lohn, gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen sowie gute Entwicklungsperspektiven im Beruf.“