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Steile Karriere mit schnellem Absturz

Alkohol am Steuer? Unverantwortlich! Rote Ampel überfahren? Noch schlimmer! Erwischt werden? Katastrophe!
Nun hat Bischöfin Margot Käßmann (51), ihres Zeichens Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, diese Freveltat begangen. Sie weiß, dass das absoluter Mist war: „Ich bin über mich selbst erschrocken!“ Sie wurde am Steuer ihres Dienstwagens mit 1,54 Promille im Blut an einer Innenstadtkreuzung in Hannover von einer Polizeistreife angehalten. Bisher ist nicht bekannt, wo zu dieser Zeit ihr Chauffeur war – vielleicht schon mit dem Taxi nach Hause gefahren.
Tatsache ist, dass sie damit als „absolut fahruntüchtig“ gilt, eine hohe Geldstrafe (ein Monatsgehalt) in Aussicht steht und der Führerschein für ein Jahr abgegeben wird. Klar ist auch: Keiner ist unfehlbar. Menschlich gesehen sollte es eine Chance geben, aus Fehlern zu lernen.
Ich finde es absolut gut und authentisch von Frau Käßmann, dass sie sich ohne Umschweife gleich selbst zu Wort gemeldet hat – also ohne Pressesprecher oder andere Wortträger – und die Tat eingestanden hat. In der spätabendlichen Situation ist es wohl im Affekt geschehen: „Ach ich kann doch noch fahren, also ab nach Hause“. Wie leider viele das so tun, nach dem einen oder anderen Glas Wein. Doch das sollte man nicht. Vor allen Dingen nicht, wenn eine Vorbildfunktion dem Amt innewohnt: höchste Würdenträgerin der evangelischen Kirche in Deutschland.
Strategisch war es geschickt und auch absolut legitim, dass Frau Käßmann sich zurückgezogen hat, um die Lage zu überdenken. Die Ruhe brauchte sie in ihrer Position, sie wollte nichts übereilen, denn sie hat einen guten „Job“ gemacht. Das meinte auch der zweite Vorsitzende der EKD, Günther Beckstein, der keinen Grund für einen Rücktritt Käßmanns sah: „Bischöfin Käßmann hat sicher einen Fehler begangen, sie hätte einen Chauffeur oder ein Taxi nehmen sollen“, sagte der frühere bayerische Ministerpräsident den „Nürnberger Nachrichten“. Trifft es doch die Situation auf den Kopf, der Fehltritt hat mit dem Amt nichts zu tun. Der Rat sprach seiner Vorsitzenden sogar einhellig das Vertrauen aus. Frau Käßmann ist Mensch, nicht Maschine und macht deshalb auch Fehler. Aus denen sie lernen wird.
„Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben.“
Ich finde es wirklich sehr bedauerlich, dass sie jetzt doch – nur vier Tage nach ihrem Vergehen – zurückgetreten ist. Sie war auf diesem Posten die erste Frau überhaupt in Deutschland. Nach so kurzer Amtszeit – knapp vier Monate seit Oktober 2009 – kann man kaum ein schlüssiges Urteil über ihre Tätigkeit als Ratsvorsitzende fällen, doch hat sie sich stets konsequent eingesetzt, war dabei streitbar und medienpräsent. Und hat es als Landesbischöfin in zehn Jahren – 1999 wurde sie trotz vehementer Widerstände gewählt – durch alltagstaugliche Vermittlung geschafft, dass sich wieder mehr Menschen für biblische Themen interessieren. Chapeau.
Mehr Gläubige
Der Kirche hat Käßmann also respektablen Zulauf gebracht, weil sie nicht so „von oben herab“ auf der Kanzel spricht, sondern eher eine Person greifbar wie eine Nachbarin ist. Darin ist sie gut und das weiß sie auch.
Aber eigentlich ist niemand ohne Tadel; andere sind vielleicht nur geschickter im Nicht-entdeckt-werden. Meiner Meinung nach sollte sie nicht gleich aufgeben, vielmehr beweist es doch erst Stärke, wenn man sich der Kritik stellt. Doch war die Belastung hier offenbar zu groß, viel Stress in beiden Positionen, dazu persönliche Schicksalsschläge und jetzt hat sie einfach erstmal genug.

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© Bergedorfer Zeitung 2008