12.03.12

Titel Lauenburg

Über den eigenen Tellerrand schauen

Bei den Lauenburger Gastronomen gilt die alte Weisheit in doppeltem Sinne: Wer Veränderungen bewirken will, muss über den eigenen Tellerrand schauen. Aber darin haben sie Übung. Wenn immer es in der Stadt etwas zu feiern gibt – die Wirte machen vor, was die Politik in der Vergangenheit oft vermissen ließ: Sie ziehen an einem Strang. Von Elke Richel

Die Wirte Sönke Ellerbrock, Rainer Staneck und Walter Weber-Niemann (von links) gehören zu den Initiatoren des traditionellen Weinfestes auf dem Schlossplatz.
Foto: Richel Die Wirte Sönke Ellerbrock, Rainer Staneck und Walter Weber-Niemann (von links) gehören zu den Initiatoren des traditionellen Weinfestes auf dem Schlossplatz.

Für Walter Weber-Niemann von der "Lauenburger Mühle" ist das logisch: "Klar sind wir Mitbewerber, aber wenn wir nicht zusammen halten, kann jeder Einzelne von uns einpacken." Sönke Ellerbrock vom "Alten Schifferhaus" sieht das genauso: "Wenn unsere Gästehäuser belegt sind, empfehle ich das Haus eines Kollegen und schreibe dazu: Mit bestem Gruß von den Lauenburger Wirten." Dieses Gemeinschaftsdenken kann sich wohl auch Ex-Bürgermeister Harald Heuer mit auf die Fahnen schreiben: Er hatte vor Jahren die Idee, als gemeinsame Aktion der Wirte in jedem Jahr auf dem Schlossplatz ein "Weinfest" zu feiern und in der Elbstraße die inzwischen legendäre "Fischmeile" auszurichten. Bei den Lauenburger Wirten rannte er damit offene Türen ein, so auch die von Rainer Staneck, der bis vor knapp zwei Jahren das "Brau- und Brennhaus" in der Altstadt betrieb. Nach wie vor gehört der Unternehmer zum Organisationsteam der beliebten Feste. Das "Brau- und Brennhaus" hat er allerdings inzwischen abgehakt. Angekündigt hatte er das bereits, als sich die Politik jahrelang über Sinn oder Unsinn des Schrägaufzuges stritt. Als der Bürgerentscheid dem Projekt endgültig das Aus bereitete, zog sich Staneck aus dem Traditionsrestaurant zurück. "Grund war nicht die demokratische Bürgerentscheidung, sondern die jahrelange Unzuverlässigkeit der politischen Entscheidungen", so seine Begründung. Dies sei überhaupt die wirksamste Methode, potenzielle Investoren abzuschrecken. Auch Walter Weber-Niemann möchte den Politikern etwas ins Stammbuch schreiben: "Es nutzt nichts, nur anhand steigender Übernachtungszahlen Erfolge im Tourismus-Geschäft zu feiern. Wenn zum Beispiel ein Großteil der Hotelgäste Monteure sind, hat das mit Tourismus nicht viel zu tun." Sönke Ellerbrock fällt zum Stichwort Tourismus die politische Diskussion um die Nutzung des Rufer-Platzes ein. Obwohl er als Wirt des Schifferhauses von den speisenden Gästen dort gar nicht profitiert, ist es für ihn "Unfug", dort die Bewirtung verbieten zu wollen. "Touristen empfinden die Stadt als Ganzes und entscheiden unter diesem Eindruck, ob sie wiederkommen oder nicht."

Dass die Wirte nicht um den heißen Brei herum reden, ist sicher auch ein Grund dafür, dass Bürgermeister Andreas Thiede regelmäßig das Gespräch mit ihnen sucht.

Inzwischen gebe es einen kurzen Draht zueinander. Und auch, dass sich die Politiker nicht mehr gegenseitig zerfetzen, sei ein ermutigendes Zeichen, sind sich die drei Gastronomen einig. Für Rainer Staneck auch ein Grund, sich nach dem Rückzug aus dem "Brau- und Brennhaus" weiter in Lauenburg zu engagieren. Nachdem im "Askanierhaus" an der Reeperbahn viele Senioren ein neues Zuhause gefunden haben, hat der Unternehmer nun einen neuen Plan: eine barrierefreie Wohnanlage in der Innenstadt. Als Betreiber des "Soltstraatenhuses" gehört er aber nach wie vor zur eingeschworenen Gilde der Lauenburger Wirte. Und die können vor allem eines: Über den eigenen Tellerrand schauen.

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