20.02.12

Titel Schwarzenbek

Laut bellen, bis Hilfe kommt

Die Truppe übt bei Minusgraden und 35 Grad im Schatten, im Hellen und im Dunkeln, bei Regen, Wind und Nebel – der Rettungseinsatz im Team mit Mensch und Hund muss sitzen. Die Flächensuchhunde nehmen Gerüche am Boden und in der Luft auf, klettern auch schon mal auf einen Hochsitz und in den Graben. Von Melanie Ucke

Rettungshund DRK SBK
Foto: Melanie Ucke Üben für den Ernstfall wie hier im Februar: Die erfahrene Hündin Taihra bellt, bis ihre Hundeführerin Anja Hamester von der Rettungshundestaffel des DRK Schwarzenbek bei der hilflosen Person angelangt ist.

Die erfahrene Hündin Taihra (8 Jahre) bellt solange, bis ihre Hundeführerin Anja Hamester bei der hilflosen Person angelangt ist. Ab hier übernimmt der Mensch die Versorgung.

Was sich wie ein Ernstfall darstellt, ist eine Übungseinheit der Rettungshundestaffel Schwarzenbek: Routiniert gehen Mensch und Tier gemeinsam auf die Suche nach einer menschlichen Witterung. So wie hier im Waldgebiet bei Geesthacht, wo die Übungseinheit mit dem Förster vor Ort abgesprochen wurde. Die 11 zweibeinigen und 12 vierbeinigen Mitglieder der Rettungshundestaffel des DRK Schwarzenbek üben zweimal in der Woche ihre Einsätze. Teammitglied Beatrice Baumann ist das erste "Opfer" an diesem Sonnabendmorgen: Sie geht voraus und sucht sich eine Stelle, an der ein Spaziergänger auch in der Realität verunglücken könnte. "Jeder ist dran, als zu suchende Person und als Suchtrupp", erzählt sie.

Bei Rettungseinsätzen wird meist gesucht nach verirrten, orientierungslosen oder verletzten Personen. Das können verschwundene Kindern sein, aber auch Schockopfer nach Unfällen oder verwirrte, oftmals ältere demente oder suizidale Personen in unübersichtlichen und unwegsamen Gebieten. Hierbei kommen die Stärken des Hundes, wie seine Nase, Wendigkeit und Schnelligkeit besonders zum Tragen. Insbesondere bei schlechten Wetter- und Sichtverhältnissen ist der Hund der menschlichen Technik weit überlegen.

Die Schwarzenbeker sind für die Flächensuche ausgebildet, können aber auch bis zu anderthalb Metern in die Tiefe und bis zu zweieinhalb Metern in der Höhe einen Menschen orten: Es könnte sich um die Suche nach einer selbstmordgefährdeten Person handeln, deshalb müssen die Hunde den menschlichen Geruch auch in der Luft wahrnehmen können. Deshalb sieht der Hund etwa auch auf einem Hochsitz im Wald nach, ob da nicht jemand liegt.

Das Team wird etwa auch zu Einsätzen im gesamten Hamburger Gebiet gerufen: Zuletzt haben sie nach einer vermissten Person aus dem Altersheim gesucht – leider ohne Erfolg. Dann kommt die Suche über die Medien dran: Im Radio läuft zum Beispiel ein Aufruf nach der gesuchten Person. "Ausgeprägter Teamgeist zwischen Menschen und zwischen Mensch und Hund ist Grundvoraussetzung jeder Rettungshundeführer-Ausbildung und –arbeit", erzählt Ausbilderin Anja Hamester. Sie muss bewerten, ob ein Hund geeignet ist für die Rettungseinsätze. Dazu muss der Vierbeiner eine gewisse Ausdauer im Gelände vorweisen und darf sich nicht zu stark ablenken lassen von den vielen Einflüssen und Gerüchen, die ihn umgeben. Der Hund muss gezielt die menschliche Witterung herausfiltern, dabei kann er ein Einsatzgebiet einkreisen oder aber im Zick-Zack eine Route ablaufen.

"Wir trainieren, egal ob es regnet, schneit oder 35 Grad im Schatten ist, ob es hell oder dunkel ist, es wird trainiert, denn die Einsätze kann man sich nicht aussuchen", berichtet Staffelleiterin Ingrid Schäfer. Und bei rund 30 Einsätzen im Jahr zahlt sich die Übung aus, denn "oft genug wird man nachts rausgerufen, da muss alles sitzen." Übrigens: Wer sich engagieren will, egal ob mit oder ohne Hund, informiert sich unter www.drk-rettungshun.de und nimmt Kontakt mit dem Team auf.

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