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ADHS: „Ich erlebe viele verunsicherte Eltern“

Jedes Kind hat unruhige Phasen, ist unkonzentriert oder gar aggressiv. Doch welches Temperament ist normal?
Dr. Ursula Schild, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie an der Tagesklinik Büchen, wird das Modewort „ADHS“ in ihrem Vortrag ins rechte Licht rücken.
Foto: Matthias Reitenbach
Dr. Ursula Schild, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie an der Tagesklinik Büchen, wird das Modewort „ADHS“ in ihrem Vortrag ins rechte Licht rücken.
„Ich erlebe viele verunsicherte Eltern“, sagt Dr. Ursula Schild von der Vorwerker Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Büchen. Viele fürchten, dass ihre Kinder möglicherweise an einer Art Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden.
„ADHS wird als Erklärung für alles Mögliche herangezogen“, weiß die Ärztin.
Um Eltern ein Stück Unsicherheit zu nehmen, und um Pädagogen und Ehrenamtliche, die tagtäglich mit Schülern arbeiten, aufzuklären, hält die Ärztin am 14. Februar um 19.30 Uhr in der Stadt- und Schulbücherei Lauenburg einen Vortrag unter dem Titel „ADHS im Alltag“.
„Dass ADHS zurzeit in aller Munde ist, hat den Vorteil, dass die Hemmschwelle bei den Eltern geringer geworden ist, sich Hilfe zu suchen und sich zu informieren.“ Mehr Aufmerksamkeit auf dieses Thema bedeutet aber nicht automatisch mehr Patienten. „Ich sehe keinen Zuwachs an ADHS-Kindern“, erklärt die Oberärztin, die seit 2005 in Büchen arbeitet. Genaue Diagnosen lassen häufig andere Ursachen erkennen. Als Beispiel nennt sie einen zu spät erkannten Legastheniker, dessen Taktik in der Schule ist, „lieber Rambazamba zu machen, damit niemand merkt, wie schwer mir das Lernen fällt“. Ein anderes Beispiel sind nicht erkannte Angststörungen.
ADHS könne auf jeden Fall nur vorliegen, wenn sich das Kind in allen Lebensbereichen so auffällig verhält, und nicht nur in der Schule. Der Arzt bzw. Psychologe hat sich zunächst einmal zu fragen, was die Kinder so unruhig und unkonzentriert macht. Liegen hier eher soziale oder körperliche Ursachen vor? „Kinder sagen ja nicht, dass sie zurzeit gestresst sind.“ Eine Ursache könnten etwa heftige Bindungsstörungen zu den Eltern sein, so dass die Kinder keine innere Sicherheit entwickeln. „ADHS wirbelt den ganzen Alltag einer Familie durcheinander. Hier sind enge Strukturen und verlässliche Absprachen mit den Eltern unabdingbar.“ Was benötigt das Kind zusätzlich wie etwa schulische Erziehungshilfen oder Ergotherapie, was muss sich im Elternhaus verändern? „Man kann kein Kind ohne Familie behandeln.“
Dr. Ursula Schild will verunsicherten Eltern unabhängig vom Thema ADHS Mut machen, die Eigenschaften ihres Kindes zu akzeptieren und gelassener zu bleiben. Statt in den typischen Teufelskreis aus unablässigen Ermahnungen zu geraten, könne das Ziel nur sein, die positive Beziehung zum Kind zu stärken.
Der Vortrag von Dr. Ursula Schild beginnt am Dienstag, 14. Februar, um 19.30 Uhr in der Stadt- und Schulbücherei Lauenburg, Weingarten 12. Der Eintritt beträgt 2 Euro.
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