Prüfung
Besuch des Pflegelotsen hat Folgen - Parkschloß reagiert
Mittwoch, 19. Januar 2011 12:51
Wentorf. Ein Jahr ist es her, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) Nord die Seniorenresidenz Parkschloß an der Golfstraße geprüft und ihr schlechte Noten bescheinigt hat.

Foto: Susanne Tamm
Das Parkschloß macht einen exklusiven Eindruck.
Seitdem steht das Zeugnis unter www.pflegelotse.de im Internet. Hans Joachim Steenhusen schätzt die Einrichtung dennoch. In den vier Jahren, die seine 96-jährige Mutter dort lebt, habe sich einiges getan, sagt er: "Die Mitarbeiter waren immer freundlich, aber jetzt ist alles professioneller. Es gibt beispielsweise eine Beschäftigungstherapeutin."
Heimleiter Manfred Albers erläutert: Heute werde sein Personal regelmäßig durch den Hamburger Mediziner Dr. Joachim Müller geschult. Außerdem bildet der Hygiene-Beauftragte Horst Röpke die Mitarbeiter aus. Die Speisenzubereitung werde ebenfalls konsequent kontrolliert. "Die Prüfung fiel gerade in unsere Umbauphase", erläutert Albers. "Deshalb hatten wir damals Probleme mit Staub." Die Therapeutin gestalte den Alltag der Bewohner mit Gruppen- und Einzelaktionen. Auch die Dokumentation sei verbessert worden. Darin sieht Albers die Hauptursache für die schlechte Note: "Wir hatten die Pflegeplanung für einige neue Bewohner noch nicht geschrieben", räumt er ein. "Der nächsten Prüfung sehen wir zuversichtlich entgegen." Die kommt laut Peter Zimmermann, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) Nord, noch 2011.
Die Angehörigen der Bewohner hat die Bewertung wenig beeindruckt: "Ich wusste von den schlechten Noten", erzählt Susanne Loges, deren Mann (86) seit Oktober im Parkschloß wohnt. "Dennoch bin ich froh, dass ich diesen Platz für ihn gefunden habe." Während der Suche nach dem Pflegeplatz habe sie sich zehn verschiedene Einrichtungen angesehen. "Ich war entsetzt: In einem Seniorenheim wurde ich zuerst gefragt, an welches Bestattungsunternehmen ich denn gedacht habe - vollkommen indiskutabel. Im Parkschloß aber wurden wir freundlich aufgenommen." Auch ihre Krankenkasse habe ihr geraten, sich nicht von der Benotung beeinflussen zu lassen.
Zimmermann gibt ihr teilweise recht: "Die Bewertung führen wir auf Basis gesetzlicher Vorgaben durch. Nicht als Werbung für die Einrichtung, sondern zur Verbesserung der Standards." Mit Erfolg: Der Notendurchschnitt habe sich in den vergangenen zwei Jahren in Schleswig-Holstein von etwa 3 auf 1,8 verbessert - ganz im Sinne der Pflegebedürftigen. Zimmermann rät, sich nicht allein an der Gesamtnote zu orientieren. Der MDK prüft unter 82 Einzelkriterien beispielsweise die Versorgung und Betreuung, die Hygiene, den Umgang mit an Demenz erkrankten Bewohnern, Verpflegung und Dokumentation. Zu beachten seien besonders die Bereiche, die für den konkreten Bedarf wichtig sind, um danach zu entscheiden.
Die Gewichtung einzelner Ergebnisse innerhalb der Gesamtnote sei noch verbesserungswürdig. Sie werde derzeit auf Bundesebene verhandelt. Leider sei es heute noch möglich, dass in einer Einrichtung Bewohner mit Druckgeschwüren entdeckt werden und das Haus dennoch mit einer guten Gesamtnote abschließe. "Hier besteht dringender Änderungsbedarf", sagt Zimmermann.st

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