Flugversuch
Hilfe für bewusstlosen Storch
Montag, 16. August 2010 15:03
- Von Anne Müller
Wentorf/Reibrook. Als Möbelhauschefin hat Lisa Marks unzählige Wohnzimmer ausgestattet und trifft in Sachen „Nestbau“ offensichtlich auch den tierischen Geschmack. Der Horst hinter dem Pavillon in ihrem Garten ist zur Saison immer ausgebucht.
Die 67-Jährige hat den Weidenkorb mit ihrem Ehemann Joachim (68) eigenhändig mit Stroh und Mist gemütlich eingerichtet. Seit zehn Jahren ziehen hier Storchenpaare ein und haben für reichlich Nachwuchs in dem luftigen Appartement gesorgt – mit unverbautem Blick auf Wiesen und Felder.
In diesem Jahr steckten sogar drei Junge ihre Schnäbel aus dem Nest. „Jeden Morgen gucken wir erst einmal, was unsere Störche machen“, sagt die 67-Jährige. Und dabei hat sie jetzt einen heftigen Schreck bekommen. „Als ich eines morgens aus dem Wohnzimmerfenster sah, flog einer der Jungstörche direkt auf uns zu und dann war es auch schon zu spät.“ Mit einem lauten Knall prallte er gegen die Scheibe und landete regungslos auf dem Rasen. „Wir wussten nicht, ob wir ihn anfassen können und ob er verletzt ist“, erinnert sich Marks. Zum Glück hatte sie die Telefonnummern vom Storchenvater Jürgen Pelch und dem Naturschutzbund (Nabu) parat.
Die tierische Rettungskette rollte an und im Nu war Erste Hilfe zur Stelle. Der noch nicht ganz flugtaugliche Jungstorch war mittlerweile wieder bei Bewusstsein und torkelte benommen auf beiden staksigen Beinen Richtung Terrasse. Inzwischen hatte sich auch das Storchen-Elternpaar in sicherer Entfernung zu den menschlichen Erstrettern postiert und beobachtete die Hilfsaktion für den Nachwuchs. „Ein Mitarbeiter vom Nabu leitete den Jungvogel dann vorsichtig Richtung Horst“, erzählt Marks. „Er bat uns, zu beobachten, ob der Draufgänger selbst ins Nest zurückfliegen kann“, fügt sie hinzu. Am Abend konnte sie den Tierschützern ein Happy-End vermelden. Der kleine „Tiefflieger“, der die Kurve über das Haus gen Elbe nicht bekommen hatte, saß mit Eltern und Geschwistern wieder im Nest. Der Beweis, dass er nicht verletzt war. Marks hofft jetzt, dass er zum Abflugtermin Ende August gesund mit den Jungstörchen gen Süden starten kann.
Bis März bleibt das Nest dann verwaist. Im Storchentagebuch, das Lisa Marks führt, zeichnet sie in jedem Jahr die Ankunftszeit der Untermieter auf. In diesem Jahr flog der Hausherr am 3. März ein und das Weibchen folgte am 28. April. Im Mai kam dann der Nachwuchs, der hoffentlich ohne „Flugunfälle“ den Süden erreicht.




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Harald meint:
Frank Z. meint:
Der Neid in Deutschland kennt keine Grenzen !
Frau Marks hat den Artikel ja nicht selbst geschrieben.
Wichtig ist doch daß da jemand ist, der hilft egal in welchen Bereichen.Da sollte sich jeder ein Beispiel nehmen.
Thorsten meint: