Werkstatt
Beim TÜV trägt die Sicherheit Grün
Dienstag, 3. August 2010 20:33
- Von Susanne Holz
Wentorf. Siegfried Räder kennt sein Auto jetzt auch von unten. Der 71-Jährige ließ es sich bei der TÜV-Prüfung in Wentorf am Südredder 2-4 nicht nehmen, selbst mit der Taschenlampe unter seinen fünf Jahre alten, silberfarbnen Toyota Corolla Verso zu krabbeln und sich von Prüfer Helge Retzko die Spuren von 73.000 gefahrenen Kilometern zeigen zu lassen.
Einen Überblick verschaffen, nennt das der Wentorfer, der mit seinem Auto gern Langstrecken bis nach Italien und Österreich fährt. Typisch Mann: „Frauen lesen während der Prüfung Zeitung, Männer wollen alles genau wissen“, hat Retzko festgestellt. Vor einem Jahr hat die TÜV-Station unter seiner Leitung auf dem Gelände der Firma Vorbeck eröffnet.
30 Minuten braucht Retzko für ein Auto, jeder Handgriff sitzt, wenn der 45-Jährige eine Prüfliste abarbeitet. Und die ist lang. Als erstes bringt der Prüfer den Wagen ins Wanken, so kann er schnell feststellen, ob alle Sitze richtig fest sitzen. Ein 18 Jahre alter mintfarbener Golf 3 scheitert gleich bei diesem Test. Funktionieren alle Kontrollleuchten, die Lenkung und das Lenkradschloss, machen die Sicherheitsgurte ihrem Namen noch alle Ehre, lässt sich der Beifahrer-Airbag an- und ausschalten? Wenig später testet Retzko die Scheibenwischanlage, tönt die Hupe in der kleinen Halle. „Es gab schon Autos, die sind durch den TÜV gefallen, weil die Hupe nicht funktionierte. Kleinlich nennen das dann die Besitzer. Aber wenn ein Kind ansetzt, um über die Straße zu laufen, und man nicht hupen kann, wird es gefährlich.“
Früher stand der TÜV-Prüfer vor dem Auto, während der Besitzer alle Schalter und Hebel selbst bewegt hat. „Viele hat das total unter Stress gesetzt. Sie fühlten sich wie in einer Prüfungssituation, haben in der Aufregung den Motor abgewürgt oder ewig ihre Nebelschlussleuchte gesucht“, erinnert sich der Autoexperte. Heutzutage sitzt der Prüfer selbst auf dem Fahrersitz, kontrolliert in runden Spiegeln an der Hallenwand Scheinwerfer und Co. Entspannter für alle Beteiligten.
Vorbei auch die Zeiten, als ihm einige Autofahrer auffällig einen Geldschein auf den Beifahrersitz legten, in der Hoffnung, so für gute Stimmung zu sorgen. „Das war schon früher völlig sinnlos. Wir lassen uns nicht bestechen. Aber heute macht es auch niemand mehr“, hat Retzko festgestellt.

Foto: Susanne Holz
TÜV Nord Wentorf Prüfer Helge Retzko (li.) und Kunde Siegfried Räder sehen sich das Auto von unten an.
Letztere allerdings entwickelt sich rasant. Während früher schon beim flüchtigen Blick unter die Motorhaube das Übel sichtbar wurde, wird heute das meiste unter Hauben versteckt und elektronisch gesteuert. Regelmäßig müssen der TÜV-Prüfer und seine Kollegen deshalb an Fortbildungen teilnehmen. Am meisten fürchtet Retzko die Kunden, die ein gefährliches Halbwissen mit sich rumschleppen und meinen, sie könnten ihr Auto selbst reparieren. Das gehe heute meist nicht mehr.
Mit seinen Wentorfer Kunden ist Helge Retzko zufrieden. Sie fahren mit sicheren Autos, bessern Mängel bereitwillig aus. „Früher in Hamburg kam es oft vor, dass jemand aus Wut in die Fahrertür getreten hat, wenn sein Auto keinen TÜV bekommen hat.“ Siegfried Räder ist davon weit entfernt. Fröhlich verlässt er mit einer neuen, grünen Plakette auf dem Nummernschild die Werkstatt. Für ihn heißt es sofort: Weiterhin gute Fahrt.



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