Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/wentorf/article76567/Strassensozialarbeit_schlaegt_Bruecken.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Straßensozialarbeit schlägt Brücken

Wentorf. Linda Jeschkes ist seit eineinhalb Jahren Straßensozialarbeiterin in Wentorf. Es war für sie viel Arbeit, das Vertrauen der 14- bis 27-Jährigen zu gewinnen.
Straßensozialarbeit
Foto: Susanne Tamm
Linda Jeschke ist Wentorfs Straßensozialarbeiterin.
Viele Erwachsene kennen das: Treffen sie auf eine Gruppe Jugendlicher, schlägt ihnen plötzlich eisiges Schweigen entgegen, auch wenn sie eben noch ins Gespräch vertieft war. Teenager-Eltern beschleicht ebenfalls manchmal das Gefühl, in einer Parallelwelt zur nächsten Generation zu leben. Linda Jeschkes Aufgabe ist es, eine Brücke in die Welt der Jungen zu schlagen: Die 30-Jährige ist seit eineinhalb Jahren Wentorfs Straßensozialarbeiterin und hat das Vertrauen der 14- bis 27-Jährigen gewonnen.
„Das war ein langer Weg“, berichtet sie. „Erst nach einem Jahr war ich bei den Jugendlichen im Ort bekannt. Die ersten hatten Vertrauen gefasst und kamen von sich aus zu mir.“ Doch es habe auch immer wieder mal Einbrüche gegeben. Jeschke sucht die Treffpunkte auf, um Kontakte zu knüpfen – auch mit Angeboten wie Kicken oder Basketballspielen. „Ich muss immer wieder auf sie zugehen, sie grüßen und es erst einmal hinnehmen, wenn sie mal nicht antworten“, erläutert sie. Das brauche viel Geduld. Dieses Verhalten nicht zu bewerten, hat sie bei ihrer Arbeit mit straffälligen Jugendlichen gelernt: „Da ist das Normalität.“
Wichtig sei es, am Ball zu bleiben. Bestes Beispiel: ein Wentorfer Jugendlicher, der sich anfangs schon verzog, wenn sie sich nur seiner Gruppe näherte. Sogar Gerüchte habe er in Umlauf gebracht: Sie sei ein „Spitzel der Polizei“. Die Straßensozialarbeiterin erinnert sich: „Das ging über Monate so. Andererseits engagierte er sich für verschiedene Projekte.“ Ab und zu kam sie auf der Straße mit dem jungen Mann ins Gespräch – zunächst oberflächlich. „Aber mit der Zeit fasste er Vertrauen und erzählte mir von seiner traurigen Familiengeschichte und von seinen Problemen“, erzählt Jeschke. „Ein Beispiel für das Gelingen eines Beziehungsaufbaus.“
Sie hilft den Jugendlichen in Einzelgesprächen, bei Berufsorientierung und Bewerbungstraining, begleitet sie zu Behörden und zur Polizei, vermittelt Kontakte wie zur Schuldner- oder Drogenberatung. „Es gibt in Wentorf alle Probleme, die es in Geesthacht oder Schwarzenbek auch gibt – vielleicht etwas verdeckter“, stellt sie fest.
„Ich wünsche mir, dass Anwohner einfach auf die Jugendlichen vor ihrer Tür zugehen und mit ihnen sprechen, wenn sie sich durch ihre Treffen gestört fühlen“, sagt Jeschke. „Das klappt durchaus. Die Jugendlichen müssen irgendwo zusammenkommen, fühlen sich aber überall gleich vertrieben.“ Habe sich eine Situation gebessert, wie an der Eisbahn oder auf dem Rathausmarkt, hätten die jungen Leute aber auch mal ein Lob verdient, betont sie.
„Wichtig ist auch, einfach da zu sein oder mal zuzuhören“, beschreibt sie ihre Aufgabe. „Es ist schon ein großer Schritt, dass mich Gruppen einfach einmal dabei sein lassen.“ Das bedeute, dass sich Straßensozialarbeit in Wentorf etabliert habe.
Noch kein Kommentar abgegeben

Onlineanzeigenannahme
nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008