Gastschüler
Kiel ist neues Angebot unbekannt
Dienstag, 6. Juli 2010 19:53
- Von Susanne Tamm
Wentorf. Verständnis hat Hans-Joachim Mayer, Schulleiter des Gymnasiums Wentorf, eigentlich für alle Seiten, wenn es um die Frage des Gastschulabkommens geht: „Alle haben gute Gründe für ihre Haltung.“
Einigen sich Kiel und Hamburg jedoch nicht über den Kostenausgleich länderübergreifender Schulbesuche, müssen die Folgen die Gymnasien und Gemeinschaftsschulen in Wentorf, Reinbek und Glinde sowie ihre Träger, vor allem aber die Schüler ausbaden.
Wie berichtet, können sich Hamburg und Schleswig-Holstein nicht darüber einigen, wie die Schulbesuche über Landesgrenzen hinweg finanziert werden sollen. Hunderte Kinder und Jugendliche des Gymnasiums Lohbrügge, des Luisengymnasiums, der Rudolf-Steiner-Schule und der Montessori-Schule sind betroffen. Sie wohnen in Schleswig-Holstein, gehen aber in Bergedorf, zur Schule.
Bis Beginn des Jahres zahlte Kiel 8,5 Millionen Euro, um die Kosten auszugleichen. Immerhin halte man alle Schulangebote vor, so das Argument aus dem Bildungsministerium. Hamburger Schulen hätten die Schleswig-Holsteiner ja nicht aufnehmen müssen. Kiel habe aber auf diese Weise viel Geld gespart, heißt es wiederum aus Hamburg. Die Kosten belaufen sich auf 31 Millionen Euro für etwa 6200 Schüler aus ganz Schleswig-Holstein. Jüngstes Angebot der Hansestadt: Während einer Podiumsdiskussion im Bergedorfer Luisengymnasium sagte Staatsrat Ulrich Vieluf zu, dass er die Schleswig-Holsteiner Sätze anerkennen werde – etwa 5000 Euro pro Schüler, nach aktuellen Berechnungen etwa 20 Millionen Euro. „Ein neues Angebot aus Hamburg kenne ich nicht“, sagte am Dienstag Thomas Schunk, Sprecher des Bildungsministeriums in Kiel.
Aktuell geht es jetzt allerdings zunächst um die Zehntklässler. Bleiben die Verhandlungen weiterhin ergebnislos, müssen sie nach den Sommerferien auf Schulen in Schleswig-Holstein wechseln. „Bisher können wir die Anmeldungen von Schülern, die jetzt aus Hamburg wechseln, noch an einer Hand abzählen“, sagt Mayer. Dieses Jahr zählte das Gymnasium 1147 Schüler, für nächstes Schuljahr werden 1250 erwartet. Allerdings befürchtet er, dass viele betroffene Eltern noch auf eine Lösung hoffen und sich jetzt noch mit dem Schulwechsel zurückhalten.
Für die Schüler werde es auch aus pädagogischer Sicht schwierig: „Bei uns wird beispielsweise Physik schon ab der sechsten Klasse unterrichtet, in Hamburg erst ein Jahr später. Dafür können wir nicht mit Spanisch als zweiter Fremdsprache dienen“, erläutert Mayer. Auch durch die Verkürzung der Schulzeit im Gymnasium auf G8 gibt es Probleme: „In Hamburg machen die Schüler mit nur acht Jahren am Gymnasium bereits Abitur, wir sind mit G 8 erst in der sechsten Klasse angelangt. Da sind die Hamburger schon weiter als wir.“
Sollten sich noch mehr Schulwechsler am Gymnasium Wentorf anmelden, muss womöglich eine weitere elfte Klasse eingerichtet werden. Dann bräuchte das Gymnasium mehr Planstellen und auch räumlich würde es eng. Schon heute ist die Mittelstufe des Gymnasiums in mobilen Klassenzimmern auf dem Gelände der Hauptschule untergebracht.
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