Regionalschule
Zwei Schulen wachsen zusammen
Sonntag, 4. Juli 2010 18:13
- Von Susanne Tamm
Wentorf. Die Trampelpfade zwischen der Hauptschule und der Realschule werden breiter. Nach den Sommerferien ist es soweit: Beide fusionieren zur Regionalschule und sind damit Vorreiter im Kreis Herzogtum Lauenburg.

Foto: Regionalschule Wentorf
Doch hinter den Türen wachsen sie bereits jetzt zusammen. Beide Lehrerkollegien bereiten den Zusammenschluss unter Leitung von Karin Beate Heidrich-Johns, Schulleiterin der Hauptschule, und Helmut Grahli, stellvertretender Leiter der Realschule, vor.
„Seit Februar haben wir die Genehmigung, Regionalschule zu werden“, berichtet Heidrich-Johns. Im April begann der Endspurt, die Schulen gründeten eine Startergruppe mit sechs Pädagogen, die das Raum- und das Unterrichtskonzept erarbeitet. Das Team setzt sich jeweils aus drei Lehrern von der einen Schule, drei von der anderen, drei Frauen, drei Männer sowie drei älteren und drei jüngeren zusammen. „Wir wollten, dass es ganz gerecht zugeht“, sagt Beate Heidrich-Johns, die auch stellvertretende Leiterin der neuen Regionalschule wird. Außerdem wird ein neuer Schulleiter, Ronald Faust, vom Schulamt eingesetzt.
Das Raumkonzept steht: Die Jüngsten, die neuen fünften und die sechsten Klassen werden in der einstigen Hauptschule am Fritz-Specht-Weg unterrichtet. Die Älteren werden in der einstigen Realschule, Achtern Höben 16, untergebracht. Die „Großen“, die Neunt- und Zehntklässler, bekommen Klassenräume über der Mensa. Die siebten bis achten Klassen wandern dort in den Altbau am Schulhof.
Auch die Lehrer ziehen um: 25 Realschullehrer, zehn Hauptschullehrer und zehn Lehrer der Fürstin-Ann-Mari-von-Bismarck-Schule, deren Realschulteil bis auf die Abschlussklasse ebenfalls aufgelöst wird, bekommen ein großes Lehrerzimmer im Zentrum des Schulgebäudes, Achtern Höben 3. Ein kleineres Lehrerzimmer wird es aber auch am Fritz-Specht-Weg geben. „Die Lehrer werden allerdings mehr in Bewegung sein als heute“, erläutert Heidrich-Johns. „Feste Plätze haben die Kollegen im Lehrerzimmer nicht mehr.“ Voll des Lobes sind sie und Grahli derzeit für den Träger, den Schulverband Wentorf-Kröppelshagen. „Momentan, bekommen wir eigentlich alles, was wir brauchen“, stellt Grahli fest. „Wir bekommen für jeden Klassenraum einen PC – das gehört zu einer modernen Schule einfach dazu – neue Schultische und neue Bücher.“
Die sind nötig, denn auch der Unterricht wird sich verändern: „In den fünften Klassen werden Real-, Haupt- und Förderschulkinder gemeinsam unterrichtet“, berichtet Heidrich-Johns. 72 Kinder sind für die neue Schule angemeldet. Zwei Drittel von ihnen haben eine Realschulempfehlung, doch sie werden gleichmäßig auf drei fünfte Klassen verteilt. „Der binnendifferenzierte Unterricht wirkt auf manche Lehrer wie ein Gespenst, aber in der Schulstunde ergibt sich vieles wie von selbst.“ Die Kinder würden am selben Thema arbeiten. Dass in einer Gruppe jeder sein eigenes Tempo brauche, sei normal. „Die Schnelleren können weiterführende Aufgaben lösen und vor allem den anderen helfen“, erläutert sie. „Das hilft allen, denn wenn sie etwas erklären wollen, müssen sie es vollständig begriffen haben. Das klappt.“ Sie muss es wissen, denn in ihrer Schule wurden bereits Hauptschulkinder und Kinder mit Förderbedarf gemeinsam unterrichtet. Auch die neuen Lehrpläne erarbeiten die Fachlehrer schon. „Den Kindern geht es ähnlich wie den Lehrern“, stellt Heidrich-Johns fest: „Einige nehmen noch Abschied, die anderen freuen sich schon auf den Neuanfang.“
- Alle zusammen feiern am Donnerstag, 8. Juli, mit einem großen Sommerfest in beiden Gebäuden ihre neue Schule. Zwischen 15 und 18 Uhr präsentieren sie die Ergebnisse der vorigen Tage: ein Tanzprojekt, ein gemeinsames Gewaltpräventionstraining einer fünften und neunten Klasse, das Kunstwerk „Hand in Hand“, bei dem die Kinder ihre Handabdrücke gestaltet haben und vieles mehr. Interessierte sind am Fritz-Specht-Weg 1 und Achtern Höben 3 willkommen.

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