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Pastorenstreit entzweit Gemeinde

Wentorf. Hoch her ging es Sonntag auf einer Versammlung, zu der der Wentorfer Kirchenvorstand die Gemeinde eingeladen hatte. Der Vorstand wollte Fragen zu dem Konflikt zwischen Pastorin Frauke Stöckel und Pastor Claus M. Friemuth beantworten.
Martin-Luther-Kirche
Foto: Susanne Tamm
Pastor Claus M. Friemuth und seine Kollegin Frauke Stöckel können nicht mehr zusammenarbeiten.
Der war durch eine Sympathiekundgebung von 100 Gemeindegliedern vor Stöckels Haus öffentlich geworden.
Stöckel hatte sich nach 18 Jahren auf eine Stelle in einer anderen Gemeinde beworben, weil die Zusammenarbeit mit Friemuth nicht funktioniere. Auf der Versammlung wurde aber deutlich, dass Friemuth ebenso Anhänger unter den Gemeindegliedern hat wie Stöckel. „Ich habe mit Entsetzen festgestellt, dass eine Linie zwischen uns steht“, stellte Marion Schweitzer am Ende fest. „Wie schrecklich! Wir sind doch eine Gemeinde.“
Die Mehrheit wünscht sich wohl, dass beide Pastoren der Gemeinde erhalten bleiben. Doch ob das gelingt, ist fraglich. Wie Kerstin Harneit, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, berichtete, schwelt der Konflikt schon seit zwei Jahren. Gesprächsversuche und zwei Supervisionen scheiterten. Der Kirchenvorstand bemühte sich um Sachlichkeit, die Diskussion wurde dennoch emotional: „Wie wollen Sie jemals wieder vor einer Gemeinde wie gerade zuvor singen: ‚Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen und voneinander lernen, wenn wir etwas nicht verstehen’?“ fragte eine Mutter mit Tränen in der Stimme. „Wie soll ich das meinen Kindern erklären? Ich bin erschüttert.“ Ein anderer appellierte: „Es geht nicht um Sie! Es geht um Christus!“ Einzelne ergriffen mehr oder weniger offen Partei für einen der Pastoren, nachdrücklich wollten sie Gründe erfahren, woran die Zusammenarbeit scheitert. Doch der Kirchenvorstand hielt sich bei Details bedeckt. „Das ist ein bisschen wie bei einem Ehepaar, das irgendwann hoffnungsfroh angefangen hat“, erläuterte Harneit. „Es hat keine Pflichtverletzung gegeben. Das Miteinander funktioniert nicht.“
Auf mehrfaches Drängen äußerten sich auch die beiden Kollegen. „Wir Pastoren tragen große Verantwortung, der wir aber nur bei voller Gesundheit nachgehen können“, begründete Stöckel ihre Überlegungen zu wechseln. Der Konflikt, den sie auf verschiedene Auffassungen von Teamarbeit zurückführt, habe sich bei ihr gesundheitlich ausgewirkt. Friemuth tat es leid, dass Stöckels Gesundheit leide, erklärte aber auch: „Ich bin nicht gewählt worden, um in die Rolle meines Vorgängers hineinzukriechen.“ Er will bleiben und seine Aufgabe fortführen.
Hans Martin Lutz aus dem Kirchenvorstand berichtete, dass jetzt ein Ausschuss die Aufgabenteilung der Pastoren klären solle. Diese Arbeit wird eng von Pröpstin Frauke Eiben, der Vorgesetzten der beiden, begleitet. „Ich glaube immer noch an eine Zukunft mit beiden Pastoren.“ Gemeindeglied Peter Specht warnte indes davor, dass die Glaubwürdigkeit der Kirche in Wentorf leiden könnte. „Wir können doch gar nicht beurteilen, wer schuld ist“, stellte er fest.
2 Kommentare
Bodo Blunck meint:
Das große Schweigen ....

Die beiden Pastoren werden schon wissen, weshalb sie keine öffentliche Transparenz schaffen und sich über die Gründe ausschweigen.

Das Regelgehalt eines Pfarrers ist A13, also vergleichbar mit einem Regierungs- oder Studienrat. Das liegt, gem. der aktuellen Besoldungstabelle (gültig ab 1.3.2010) zwischen 3.110,94 und 3.415,05 € pro Monat.

Dazu hat ein Pastor noch diverse Möglichkeiten, seine Einkünfte deutlich zu erhöhen.
Wir haben eine Bekannte, die nebenberuflich u.a. für einen Pastor tätig ist. Sie erledigt u.a. die "Abrechnungen“. In einem Gespräch hat sie mal erwähnt: „Wenn ihr wüsstet, was der noch nebenher alles kassiert, dann würdet ihr ausrasten !“ Natürlich geht die Bekannte mit ihrem Insiderwissen nicht an die Öffentlichkeit. Dann wäre sie logischerweise ihren Job und die damit verbundenen Einkünfte los, auf die sie angewiesen ist (sonst würde sie den Job ja nicht machen).

Beim „Nebenher Kasse machen“ eines Pastors kann natürlich nur dann ein maximales Ergebnis erzielt werden, wenn nur 1 Pastor vorhanden ist. Insofern fällt es leicht nachvollziehabr, weshalb ein Pastor seinen Job lieber in Alleinfunktion ausübt, ohne einen 2. Pastor, der ihm ggf. kritisch über die Schulter blickt. Das würde ggf. nur stören bzw. es würde früher oder später Verteilungsstreitigkeiten darüber geben, wer sich wie viel nebenher in die Tasche stecken möchte und kann.

Vor diesem Hintergrund tun 2 Pastoren allein schon aus Selbstschutzgründen gut daran, sich nach der Devise „eine Krähe hackt der anderen Krähe kein Auge aus“ … total auszuschweigen.

Insgesamt lässt sich für den „Konzern Kirche“ feststellen: Alle kirchlichen Aufgaben und Einrichtungen werden zu rund 10% aus den Kirchensteuern finanziert, weitere 10% durch eigene Einnahmen aus Entgelten, Spenden, Zinsen und Erträgen aus Vermögen sowie 20% über staatliche Finanzierungen und 60% über Kosten- und Pflegesätze von Sozialversicherungsträgern bzw. staatlichen Zuschüssen . Allein für den Religionsunterricht erhält die evangelische Kirche – basierend auf der sogenannten „res mixta“ - aus der Staatskasse von Hamburg und Schleswig-Holstein jährlich ca. 58 Millionen Euro, die nicht in den öffentlich einsehbaren Haushaltsplänen der Kirche aufgelistet ist, sondern nur in den staatlichen Haushaltsplänen auftaucht).

Bei der Kirchenbank in Kiel, der Evangelischen Darlehnsgenossenschaft e.G., lagen im Jahr 2000 rund 3,9 Milliarden Euro Geldeinlagen kirchlicher und karitativer Rechtsträger.

Der Kuchen ist also groß und eine dicke Scheibe ist bekanntlich ergiebiger als eine dünne. Ist es da nicht menschlich verständlich, dass wenig Neigung besteht, sich ein Tortenmesser zu teilen? Sondern lieber nach dem Motto verfahren wird:

1. (ganz wichtig): Mund halten,
2. grab the money and run = “Sack ein und bleib” (und achte drauf, dass sich kein Zweiter am Tortenmesser vergreift).
3. grab the money and run = “Sack ein und lauf” (dort hin, wo noch ein Tortenmesser frei ist).


Focussierter meint:
@ Peter Specht: Warum sollte man eine/die Schuldfrage klären ? Macht man damit einen Fortschritt, wenn man den/die Schuldige(n) kennt ? - Viel wichtiger ist es doch das Problem zu lösen !
Als vollkommen Außenstehender, der den Pastorenzwist nur aus der Presse kennt, finde ich es sehr befremdlich, wenn zwei dermaßen im Licht der Öffentlichkeit stehende Arbeitskollegen ihr Problem in der Öffentlichkeit austragen und daran auch noch die Medien beteiligen. Ihr Problem sollten die Pastoren erforderlichenfalls zusammen mit den Vorgesetzten und dem Kirchenvorstand intern lösen und daraus die Konsequenzen ziehen. Für ihre Person hat Frau Stöckel das offenbar getan und sich auf eine neue Stelle an einem anderen Ort beworben. Nun, Reisende soll man ziehen lassen. Wer, und das gilt nicht nur in diesem Fall, innerlich bereits gekündigt (und sogar woanders beworben) hat, identifiziert sich nicht offenbar nicht (mehr) mit seinem Arbeitsplatz. Er/sie kann seine Arbeit damit auch nicht mehr zum Vorteil seines Arbeitgebers (in diesem Falle der Kirchengemeinde Wentorf) ausführen. - So bedauerlich diese Erkenntnis für manchen Kirchgänger in Wentorf auch sein mag.

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