29.04.10

Mein neues Kinderzimmer

Gehören Computer & Co. ins Kinderzimmer?

Wentorf. In unserer gemeinsamen Aktion mit dem Möbelpark Sachsenwald verlosen wir ein Kinderzimmer samt Handwerkerleistungen. Doch ebenso wichtig wie schicke Möbel ist das Thema Medien im Kinderzimmer – für viele Eltern ein Reizthema: Von Susanne Tamm

Neue Sucht Online-Rollenspiel: Flucht in die Fantasy-Welt
Foto: dpa Ältere Jungen nutzen den Computer oft für Onlinespiele, Mädchen für Chats. Vorsicht: Experten warnen bei Onlinerollenspielen vor einer erhöhten Suchtgefahr.

"Max hat aber auch einen PC in seinem Zimmer", oder: "Lisa hat doch auch einen eigenen Fernseher", quengelt der Nachwuchs. Auch die Schulen erwarten häufig einen Computer mit Internetzugang. Und nicht zuletzt sollen die Kinder auch den Umgang mit den Medien lernen. Die Unsicherheit ist groß:Von welchem Alter an sind Computer, Fernsehen und Handy in Kinderhänden gut aufgehoben?

Eine Antwort darauf hat Medienpädagoge Ansgar Büter-Menke, Bildungsreferent beim Kreisjugendring Stormarn (kjr). "Richtlinien gibt es keine", stellt der 45-jährige Experte fest und rät: "Im Kindergartenalter brauchen die Kleinen definitiv weder Fernseher noch Computer." In dieser Entwicklungsphase seien direkte Erfahrungen wichtiger als die aus zweiter Hand. PC und Fernsehen seien nicht sinnvoll. Ansonsten könnten sie alles aus Bilderbüchern lernen, was sie bräuchten.

Auch Kinder unter zehn Jahren könnten auf ein eigenes Fernsehgerät verzichten, empfiehlt Büter-Menke. Ebenso auf den PC. "Denn Väter und Mütter sollten ihre Kinder beim Fernsehen begleiten und auch nachfragen: Was guckt Ihr denn da?", ermuntert er.

Doch er weiß, dass die Realität anders aussieht: "Eigenes Handy, Computer und Internet sind für viele Kinder längst Alltag", heißt es in der jüngsten Studie KIM (Kinder und Medien) von 2008. Fast jedes zweite Kind im Alter von 6 bis 13 Jahren habe ein eigenes Handy oder einen eigenen Fernseher. Nur der eigene Computer sei noch seltener. Doch der Trend zum PC – möglichst mit Internetzugang – für den Nachwuchs nehme zu. "Pädagogisch nicht sinnvoll", kritisiert der Experte.

Noch stärker zeichnet sich der Trend bei Jugendlichen von 14 Jahren an ab. "In diesem Alter entscheiden sie selbst, was sie sehen oder am Computer machen wollen", weiß Büter-Menke. "Einen freien Zugang zum Internet in diesem Alter halte ich aber für riskant." Pornos oder Videos mit Gewaltszenen, wie sie auch über Handy verbreitet werden, träfen Kinder und Jugendliche oft unvorbereitet, sie seien schockiert. Sie bräuchten Schutz und einen Ansprechpartner. Betroffene Eltern finden Hilfe beim kjr (Telefon: (04531) 885407).

Mädchen und Jungen entwickeln in diesem Alter unterschiedliche Interessen: Die Jungen bevorzugen Online-Spiele, Mädchen entdecken Chats, Messenger-Dienste und soziale Netzwerke wie SchülerVZ. Für Spiele wie World of Warcraft müsse man schon einige Stunden online sein, um von den Mitspielern anerkannt zu werden. Väter und Mütter sollten die Nutzerzeiten aushandeln.

"Es geht nicht um Verbote", betont Büter-Menke. "In der Pubertät ist es sinnvoller, andere Interessen wie Sport zu unterstützen." Bei den Chats hingegen sollten sich Eltern nicht scheuen, über Anmache durch Pädophile zu sprechen. "Darüber muss man genauso aufklären wie über mögliche Schwangerschaften", sagt Büter-Menke. "Trotz aller technischen Versiertheit brauchen Kinder den Schutz der Erwachsenen, um die nötige soziale Kompetenz für Medien zu entwickeln." Die Zukunft sieht er bei den Multifunktionshandys.

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Foto: BZ
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