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Aus Ersatzdienst wurde Lebensaufgabe

Bergedorf/Wentorf. Stephan Glaser ist ein großer Mann, wirkt souverän, fast ein bisschen kantig, robust. Wenn er einem auf dem Gelände des Technischen Hilfswerks (THW) am Sollredder in Wentorf entgegen kommt, gibt es keinen Zweifel: Der kann zupacken, hat in Not- und Katastrophensituationen seine Leute fest im Griff.
Kfz-Experte Stephan Glaser betreut und schult seit vielen Jahren beim THW den Nachwuchs.
Foto: Hardter
Kfz-Experte Stephan Glaser betreut und schult seit vielen Jahren beim THW den Nachwuchs.
Der THW-Nachwuchs schätzt zugleich eine andere Seite an dem Bürgerpreiskandidaten: Glasers Spitznamen „Stoffel“ und „Papa Bär“ weisen auf seine Vertrauen erweckende und humorvolle Art hin – ein Plus, das ihn für die Arbeit mit jungen Leuten qualifiziert.
„Er hat viel Geduld und kann gut zuhören“ „Er kann überzeugend den Chef machen, aber ist auch verständnisvoll“, erzählen die Jugendlichen Max (16), Victoria (14) und Alexander (16) über ihn. „Wer Sorgen hat, ist bei Stoffel immer gut aufgehoben.“
Der 33-Jährige Kraftfahrzeugmechaniker aus Lohbrügge ist ihr Teamleiter. Einer, der sich als langjähriger Jugendbetreuer um den Nachwuchs kümmert. „Das ist bei uns wie in allen Hilfsorganisationen elementar“, weiß er. „Die Jugend klebt momentan meistens vor dem eigenen Computer oder hängt auf der Straße rum, will immer seltener Verantwortung für wichtige Aufgaben in der Gemeinschaft übernehmen.“ Glaser möchte das ändern. „Aber die Jugendlichen müssen freiwillig her kommen, meistens passiert das mit einem Freund wie bei mir damals.“
Glaser ist ehrenamtlich tätig, hat zu Beginn auf den Dienst in der Bundeswehr gern verzichtet. Statt für den Dienst an der Waffe entschied es sich damals für sechs Jahre THW in seiner Freizeit. Dreimal so lang ist er inzwischen dabei. „Das war richtig“, sagt er im Nachhinein. „Hier bin ich schließlich hängen geblieben. Ich habe viele gute Freunde gefunden und eine Lebensaufgabe, dazu enorm gelernt.“ Eine eigene Familie hat er noch nicht gegründet. Auch sein Bruder ist beim THW. „Hier ist es wie in einer großen Familie – das tut gut und fängt einen oft auch auf“, sagt unser Bürgerpreis-Kandidat.
Bis zu 45 Jugendliche bildet er gemeinsam mit drei anderen THWlern aus, bereitet Übungen und Wettkämpfe vor, betreut Lehrgänge sowie Ausfahrten. Dienstags ist regelmäßig Gruppenabend und an den Wochenenden gibt es häufig Treffen oder Übungen auch vernetzt mit Jugendorganisationen anderer freiwilliger Helfer wie Feuerwehren, DRK, Johannitern. Glaser genießt das Vertrauen seiner Leute, ist beliebt, gilt als einer, auf den man sich total verlassen kann. Er vermittelt klare Regeln, Verlässlichkeit, nimmt seine Jugendlichen und jungen Erwachsenen ernst. Sein Wort gilt. „Ich bin vielleicht ein bisschen langweilig“, charakterisiert sich der ruhige Lohbrügger etwas schmunzelnd. „Aber ich denke, bei mir passt der Spruch: In der Ruhe liegt die Kraft.“
Menschenleben musste der Fahrzeugtechnik-Experte während seiner THW-Karriere noch nicht retten – „von extremen Katastrophen wie Eschede bin ich noch verschont geblieben“. Aber bei der großen Elbeflut 2002 war er tagelang ununterbrochen mit der Pumpen-Gruppe tätig, koordinierte zudem die Einsätze mit. Ausgezeichnet wurde er dafür mit der Bundesflutmedaille – mehr als 2000 Stunden freiwillige Arbeit waren damit verbunden. Ausgebildet ist Glaser zudem im Fachbereich „Bergung“, hat dort Spezial-Kurse absolviert.
Was er sich als Ausbilder noch wünscht? „Dass mehr Mädchen den Weg zu uns finden, denn die sind unterrepräsentiert, aber gut bei der Sache, wenn sie dabei bleiben.“
Wer mindestens zehn Jahre alt ist und sich für das THW interessiert, kann sich bei ihm unter Telefon 0170-8046036 melden oder dienstags um 19 Uhr zum THW am Sollredder 10 in Wentorf kommen.
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