Zirkus „Salino“
Aladin ist der heimliche Manegenstar
Dienstag, 2. März 2010 20:02
Wentorf. Franjos Zuhause, das sind zurzeit 34 Quadratmeter in einem der 30 Wohnwagen vom Zirkus „Salino“, der seit Montag am Südring Station macht.
Der Sechsjährige hat es sich auf dem Sofa gegenüber vom Kaminofen gemütlich gemacht, in dem glühende Holzscheite knistern. Gerade noch hat er mit Mama Carola Urban (45) die ersten Hausaufgaben erledigt. Jetzt liegt das Heft auf dem Tisch und Schul-Maskottchen „Lexy“ hat den Platz neben ihm auf der Couch erobert. „Meine neue Schulklasse hat es mir mitgegeben“, sagt er.
Lange wird er nicht in der 1c der Wentorfer Grundschule bleiben. Am Montag zieht der Zirkus „Salino“ weiter nach Adendorf bei Lüneburg. Für Carola Urban war die Anmeldung der drei Zirkuskinder an Wentorfer Schulen der erste Gang in der Gemeinde, die die Artisten das erste Mal besuchen. Die kleine Akrobatin Celine Köllner (11) wird die Hauptschule, Jemie (9) mit Franjo die erste Grundschulklasse besuchen.
Franjo hat inzwischen sein Nintendo-Gerät herausgeholt. Der Clownsanzug ist noch im Kostümwagen. Geprobt wird heute nicht. Bei seiner Mutter, ehemals Seiltänzerin und jetzt Ansagerin, klingelt derweil laufend das Handy. Ehemann Franco (49) – Clown „Peppo“, Handwerker und Manager in einer Person – ruft an. Er holt Heu von einem Landwirt. Davon brauchen die Zirkusleute jetzt mindestens zwei Ballen pro Tag, zudem Säcke voller Möhren: drei Ziegen, vier Kamele, vier Lamas und 30 Pferde wollen versorgt sein.
Dann klopft es an der Tür des Wagens. Draußen stehen die beiden Kamele: „Ali“ und „Aladin“ starren gutmütig wiederkäuend in den windigen Wintertag, der die wuschelige Kopfmähne flattern lässt. Fakir Manuel Martz (33) und Tiertrainer Dustin Urban (16) bringen die beiden Bullen über die Ampelkreuzung auf die andere Straßenseite, begleitet von den überraschten Blicken einiger Autofahrer.
Hinter dem Kassenhäuschen versuchen seine Kollegen mit einfachsten Mitteln, gegen die Wassermassen anzukämpfen. Das Zelt für 600 Zuschauer sollte eigentlich schon aufgebaut sein, aber noch ist der Platz ein Sumpf, in dem die Männer mit ihren dicken Stiefeln immer wieder einsinken. Immerhin, das Tierzelt ist aufgebaut. Während die Python es warm liebt, kuscheln sich im Zelt die tierischen Zirkusstars aneinander.
Die Nachbarschaft wilder Tiere haben sie nicht zu fürchten, denn der Zirkus, der einer 100 Jahre alten Artistendynastie aus Ostfriesland entstammt, setzt auf Familientauglichkeit. „Den Kindern macht es Spaß, wenn sie die Tiere nach der Vorstellung streicheln können, und wir arbeiten nur mit Tieren, die wir auch artgerecht halten können“, sagt Urban.
Die Familien Urban und Köllner bilden den Stamm der 18-köpfigen Truppe. Plus angeheiratete Familienangehörige wie Velitzka Brubanow (33). Sie ist Seiltänzerin, die wie alle nach Bedarf in die Rolle von Süßigkeitenverkäufern oder Kartenabreißern schlüpft. „Wir sind Allrounder, wer heute die Eisenanker für das Zelt einschlägt, hängt morgen am Trapez“, sagt Carola Urban und lacht.
Zirkus, das ist eine Illusion, die von Mittwoch, 3. Februar an in Wentorf wieder perfekt inszeniert werden soll. Die Anstrengung des Aufbaus und der Umzug von Schwerin wird ihnen nicht anzumerken sein, wenn zur Premiere Clowns, Cowboys und die Kamelkarawane im Scheinwerferlicht in die Manage einziehen.
- Im geheizten Thermozelt an der Ecke Zwischen den Toren/Casinopark gibt es von Mittwoch, 3. Februar, bis Sonnabend, jeweils 15.30, und am Sonntag, 11 und 14 Uhr, Gastspiele. Mittwoch, Donnerstag und Sonntag gibt es drei Familienvorstellungen, Eintritt 6 Euro. Ansonsten zahlen Kinder 6, Erwachsene 9 Euro.
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