Selbstverteidigung
Junge Leute lieben Wing Tsun
Dienstag, 16. Februar 2010 21:13
- Von Susanne Tamm
Wentorf. Den respektvollen Umgang miteinander lernen, aber gleichzeitig signalisieren, für eine Opferrolle nicht geeignet zu sein: Das sind zwei wichtige Punkte, bei denen die immer beliebter werdende Sportart Wing Tsun ansetzt.

Foto: Anne Müller
Konzentriert nehmen Robin (14) und Melissa (12) eine der typischen Wing-Tsun-Haltungen ein.
„Ihr müsst böse gucken“, sagt Frank Orlowski. Robin (14) und Melissa Niemann (12) geben ihr Bestes. Mit dem Wing-Tsun-Lehrer absolvieren sie einen Schnellkursus in Gewaltprävention. „Das ist ja wie Fensterwischen“, sagt Melissa und lacht. Hinter den äußerlich einfachen Übungen, die der 42-Jährige den Kindern zeigt, verbirgt sich jedoch ein ernster Hintergrund. Sie sollen Kindern Haltung und Respekt vor anderen vermitteln. Die beiden Reinbeker sind zum Glück noch nie in gefährliche Situationen gekommen. „Aber man weiß ja nie“, sagt Melissa.
Auch Frank Orlowski weiß aus zahlreichen Kursen an Schulen, wie schnell Kinder „Opfer“ werden können – unter Jugendlichen erregt diese Bezeichnung nicht immer Mitgefühl. Gerade Pubertierende denken dabei eher an ein Schimpfwort. Unabhängig davon, dass das eine Verunglimpfung von Menschen ist, die Gewalt erleiden mussten, werden Selbstbewusstsein und Selbstbehauptung für Kinder und Jugendliche immer wichtiger. Den respektvollen Umgang miteinander lernen, aber gleichzeitig signalisieren, für eine Opferrolle nicht geeignet zu sein: Das sind zwei wichtige Punkte, bei denen die immer beliebter werdende Sportart Wing Tsun ansetzt. Frank Schiebel und Frank Orlowski haben jetzt sogar eine Schule für Gewaltprävention und Selbstverteidigung in Wentorf gegründet, in der sie Wing Tsun unterrichten.
Selbstverteidigung allein wäre zu kurz gegriffen, stellt Schiebel fest. „Es ist zwar auch eine schnell erlernbare Technik, bei der man sich bei einem Angriff auch als vermeintlich Schwächerer unter Einsatz des gesamten Körpergewichts mit zwei, drei geführten Schlägen wirkungsvoll verteidigen und befreien kann.“ Doch gerade im Training mit Kindern sei der Schwerpunkt ein anderer: „Es geht darum, spielerisch gegenseitigen Respekt zu lernen. Die Kinder sollen sich gegenseitig helfen und erfahren, wann es besser ist, Hilfe zu holen.“ Außerdem sei der Spaß an der Bewegung wichtig. So verteidigen sie sich beispielsweise gegen eine Spielschlange aus Stoff. Auch sonst sei das Training geprägt durch Spiel, Rollenspiel und Wettstreit.
„Wir wollen Schüler dabei unterstützen, gar nicht erst in eine Opferrolle zu geraten“, erläutert Schiebel. „Dafür wollen wir ihnen Kommunikationstechniken vermitteln – Körpersprache, Rhetorik und andere Deeskalationstechniken.“ Wing Tsun wurde ursprünglich vor 250 Jahren von einer Frau erfunden, um sich gegen stärkere Angreifer wehren zu können. Das Unterrichtsprogramm für Kinder ab zwölf Jahren „Kids-Wing-Tsun“ wurde gemeinsam mit Polizei, Erziehern und Ergotherapeuten entwickelt. Vorkenntnisse sind nicht nötig.
Die Kurse laufen im Injoy, Am Casinopark 14. Kinder trainieren dienstags und freitags ab 15 Uhr, Erwachsene dienstags von 20.15 bis 21.45 Uhr oder donnerstags, 19.45 bis 21.15 Uhr. Eine Zehnerkarte kostet 125, ermäßgt 75 Euro. Anmeldung: (040) 7248181.
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