Schwimmstunden
Wasserfest mit der DLRG
Dienstag, 19. Januar 2010 19:17
- Von Peggy Hesse-Sommer
Wentorf. Alle wollen bei den Lebensrettern schwimmen lernen. Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls der Blick auf ihre Warteliste. Allein beim Ortsverein Sachsenwald der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) warten bis zu 150 Kinder auf einen Platz in den Schwimmkursen.
Dabei sind DLRG-Übungsleiter Simon Mielke (26) und Annkatrin Engel (16) schon im Dauereinsatz. An manchen Tagen geben sie im Lehrschwimmbecken der Realschule Wentorf sieben Kurse hintereinander. 2009 organisierte der Ortsverein insgesamt 550 Schwimmstunden.
Den Anfang machen die Vier- bis Sechsjährigen. Übungshelferin Annkatrin wirft bunte Plastikblumen ins Wasser. „Die sammelt ihr jetzt alle ein“, fordert sie die 14 Jungen und Mädchen auf. Das Wasser reicht den Vier- bis Sechsjährigen nur bis zur Brust. Wild mit den Armen rudernd laufen sie zu den Blüten. „Zuerst wollen wir den Kindern auf spielerische Weise zeigen, wie es sich anfühlt, im Wasser zu sein“, sagt Simon Mielke. Der Student ist stellvertretender technischer Leiter der DLRG-Sachsenwald und gibt seit zwölf Jahren ehrenamtlich Schwimmunterricht. „Wir lassen den Kindern viel Zeit, jedes kann in seinem eigenen Rhythmus lernen.“
Julia Jakob (5) kann schon schwimmen. „Das habe ich im Urlaub auf Korsika gelernt“, sagt sie stolz. Jetzt will sie die „Seepferdchen“-Prüfung machen. Dafür muss die Fünfjährige 25 Meter schwimmen und einen Ring aus schultertiefem Wasser holen können. Viele schaffen das nach einigen Wochen. „Wir hatten aber auch schon einen Jungen mit motorischen Schwierigkeiten, der hat dafür zwei Jahre gebraucht“, sagt Mielke.
Bei der DLRG ist das möglich. Vielleicht bleiben deshalb 65 Prozent der Schwimmanfänger bis zu sieben Jahre in dem Verein. Viele schwimmen sich vom „Seepferdchen“ über Bronze-, Silber-, Gold- bis zum DLRG-Abzeichen. Warum ist der Unterricht bei den Rettungsschwimmern so beliebt? „Hier gibt es feste Gruppen, in denen sich die Kinder kennen“, sagt Julias Mutter Zara Jakob. Das sei schöner als in offenen, ständig wechselnden Gruppen. Für viele sind auch die Kosten entscheidend. Während ein 15-Stunden-Kursus im Freizeitbad Reinbek 117,50 Euro kostet, kassiert die DLRG nur eine Jahresgebühr von 45 Euro.
Da außerdem viele Schulen inzwischen keinen Schwimmunterricht mehr anbieten, wird die Nachfrage bei der DLRG immer größer. Dabei steht den Rettungsschwimmern das Wasser selbst bis zum Hals. „Bis vor einem halben Jahr hatten wir in jedem Kursus noch bis zu sechs Trainer“, sagt Simon Mielke. „Jetzt sind wir manchmal nur noch zu zweit.“ Die meisten Trainer sind ältere Schüler oder Studenten, die durch Hausarbeiten oder Studium aber immer weniger Zeit haben. Deshalb brauchte die DLRG mehr engagierte junge Leute, um auch in Zukunft dafür sorgen zu können, dass es nicht bald eine „Generation Nichtschwimmer“ gibt.
Im Wasser werden jetzt Schwimmübungen gemacht. Nacheinander springt jedes Kind vom Beckenrand in die Arme des Trainers. Ein Schwall Wasser spritzt jedes Mal über ihre Köpfe: „Ja, gut gemacht! Und jetzt die Arme …“, lobt Simon Mielke. 14 Kinder üben in der Halle, aber es ist ganz ruhig. Schwimmen lernen strengt an. Nach einer halben Stunde flitzen alle erleichtert in den Umkleideraum. Und am Beckenrand wartet schon die nächste Gruppe.
Bergedorfer Zeitung Online
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