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Schlechte Note für das Parkschloß

Wentorf. Der Schritt fällt schwer: Wenn der eigene Vater, die Mutter oder andere enge Verwandte nicht mehr allein zu Hause leben können, und sie in eine Betreuungseinrichtung ziehen müssen, steht bereits die nächste schwere Entscheidung an: In welchem Seniorenheim ist er oder sie gut aufgehoben?
Pflegelotse
Foto: Susanne Tamm
Von außen wirkt das Parkschloß – 1903 vom Reeder Albert Wilhelm zum Bach erbaut – repräsentativ. Der MDK bewertet es mit "Mangelhaft", Bewohner vergaben die Note "Gut".
Eine erste Orientierungshilfe soll die neue Internetseite www.pflegelotse.de bieten. Eine Wentorfer Einrichtung schneidet hier allerdings sehr schlecht ab: die Senioren- und Pflegepension Parkschloß an der Golfstraße 1.
Alten- und Pflegeheim der Diakonie
Foto: dpa
Pflege ist Vertrauenssache: Es ist nicht leicht, einen passenden Platz zu finden, wo ältere Angehörige sich wohl fühlen.
Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hat nach einem Katalog mit 82 Einzelkriterien aus den Bereichen Pflege und Versorgung, Umgang mit demenzkranken Bewohnern, soziale Betreuung und Alltagsgestaltung sowie Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene überprüft und abgefragt. Auf der Homepage sind die Prüfberichte zu lesen. Die Berichte dreier Wentorfer Pflegeeinrichtungen sind inzwischen freigeschaltet: Neben dem Parkschloß wurden das Mutter Eva von Tiele-Winckler-Pflegeheim und das Haus Casinopark bewertet, beide mit der Note Gut. Das Parkschloß erhielt die Gesamtnote „Mangelhaft“. Auffällig ist, dass die Bewertung der Bewohner mit der Note „Gut“ davon absticht.
Heimleiter Manfred Albers öffnet auch einem überraschenden Gast bereitwillig alle Türen, geht offen auf alle Fragen ein: „Für uns ist das Ergebnis auch nicht erhebend“, sagt er. „Die Prüfer haben uns an einem schlechten Tag erwischt. Sie haben gerade die fünf Akten erwischt, die nicht in Ordnung sind.“ Seiner Ansicht nach sind die schlechten Noten vor allem auf die Fehler in der Dokumentation zurückzuführen.
Adolf Popall, Landesbeauftragter im Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA), bestätigt das: „Bei Manfred Albers liegen die Probleme in der Verschriftlichung und den Konzepten der Pflege.“ Ob den Interessenten nicht eher mit einer Bewertung des sozialen Umgangs mit den Bewohnern gedient wäre, sei die Frage. Beim Schwerpunkt der Befragung sei sicherlich eine Nachbesserung nötig.
Albers tröstet sich mit dem Ergebnis der Bewohnerbefragung: „Wir wollen aus der Seniorenpension kein Krankenhaus machen. Uns ist wichtig, dass sich unsere Bewohner wohl fühlen.“ Dennoch hat er jetzt externe Berater beauftragt, die seine zwölf Mitarbeiter schulen. Das Parkschloß bietet im Altbau der Villa und im Neubau, der vor einem Jahr eröffnet wurde, 37 Plätze. Zurzeit leben 25 Männer und Frauen im Alter von 58 bis 97 Jahren hier.
MDK-Sprecherin Elke Grünhagen betont hingegen, dass die Zufriedenheit der Bewohner absichtlich nicht in die Bewertung der pflegerischen Kriterien einfließt: „Erfahrungen zeigen, dass die Bewohner fast nie Kritik üben.“ Tatsächlich liegen die Noten der Bewohner bei 1300 Prüfungen mit 88,7 Prozent bei Sehr gut, mit 11 Prozent bei Gut und mit 0,2 Prozent bei Befriedigend.
Ingrid Paschen, Vorsitzende des Seniorenrates, kennt den Prüfbericht noch nicht. Der Seniorenbeirat hat jedoch das Parkschloß vor einem Monat erst besichtigt: „Die Anstrengungen, die Manfred Albers und seine Frau Gabriela unternehmen, sind bewundernswert“, sagt sie. „Doch es gibt noch viel, was dort gemacht werden muss, beispielsweise müssen die sanitären Anlagen im Altbau renoviert werden.“
5 Kommentare
Harald Maruhn meint:
Da wurden Rollis durch den Saal geschoben und im Walzertakt bewegt - eine unglaubliche Fröhlichkeit zog uns in ihren Bann. Hier war er erlebbar, "der soziale Umgang mit den Bewohnern", der den Erbsenzählern, weil nicht messbar, immer nur zweitrangig erscheinen wird und wohl auch unheimlich ist, weil die sich einfach nicht vorstellen können, dass es im zwischenmenschlichen Bereich noch mehr gibt als Fragebögen und eine Matrix, in die alles hinein zu passen hat.
Harald Maruhn meint:
als ob der Lehrer ein schlechter Pädagoge wäre, weil er sich seinen von den Eltern verwahrlosten Schülern widmet, dafür aber den Wust von "wichtigen" Dokumentierungen nicht wichtig nimmt und deshalb von ganz unverzichtbaren behördlichen Kontrollinstanzen vor den Untersuchungsausschuss gezerrt wird.
Weihnachten 09 im Parkschloss fiel uns "Bille-Gitarristen" der unglaublich freundliche, engagierte Umgang des Personals mit den ihnen Anvertrauten. Da wurde getanzt: zu zweit, zu dritt, zu mehreren.








Harald Maruhn meint:
Hier der vollständige Text:
Die schlechte Beurteilung, die in einem "mangelhaft" gipfelt, ein ständiges Bemühen zu einem "mit Mängeln behafteten Tun" degradiert, gemahnt doch stark an die Erbsenzähler, denen das Einhalten von Normalien stets wichtiger ist als das Befinden der Menschen, für die sie vorgeben, Verbesserungen erreichen zu wollen.
Als ob der Arzt nur deshalb ein schlechter Heiler wäre, weil er sich Zeit für seine Patienten nimmt und das nervtötende neuerliche Geschreibsel vernachlässigt

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