Gastronomie
Wentorfs zweites Wohnzimmer
Dienstag, 29. Dezember 2009 20:27
- Von Susanne Tamm
Wentorf. In der Imbiss-Oase gibt es nicht nur Pommes und Wurst: Wer Leute treffen will, ist hier richtig
Die Imbiss-Oase an der Berliner Landstraße 4 ist ein Familienunternehmen. Die Gäste werden großzügig dazugezählt: „Wir sind eine große Familie“, sagt Stammgast Ingo Hoffmann-Castor und Kai Emling stimmt ihm zu: „Als ich vor acht Jahren nach Wentorf zog und zum ersten Mal in die Oase kam, hatte ich das Gefühl, ich war schon 100-mal hier. Mittlerweile gehören wir fast zum Inventar.“ Beide treffen sich hier nicht nur zum Skatspielen, zum Sparclub oder einfach nur zum Feiern, sie lernten sogar ihre künftigen Ehefrauen in der Oase kennen.
Inhaber Roland Pump kennt fast alle Gäste persönlich und begrüßt sie per Handschlag. „Ach, das Peterle!“, ruft er erfreut, als Stammgast Peter Rüter die Oase betritt, bei der man nicht genau weiß, ob sie nun ein Imbiss oder eine Kneipe ist. Pumps Bruder Andreas umarmt Rüter herzlich, und der Chef erzählt: „Peter war so krank. Nach einer Operation geht es ihm jetzt langsam besser.“
Rüter zieht seine Jacke aus und lässt sich auf einem Barhocker nieder: „Die Imbiss-Oase ist der Dreh- und Angelpunkt von Wentorf mit den besten Bratkartoffeln“, stellt er fest. „Mit dem Wirt kann man über Gott und die Welt sprechen.“
Für die Bratkartoffeln zeichnet Marianne Pump verantwortlich: Die Mutter des Wirts steht auch mit 70 Jahren noch drei Tage in der Woche ab 12 Uhr in der Küche, pellt Kartoffeln, brutzelt und kocht. „Mir macht das Spaß, – was soll ich zu Hause?“, sagt sie. Von ihrem Essen schwärmt auch Roswitha Tönnies: „Zum Geburtstag hatte ich mir Kalbsleber gewünscht, für Marianne ist das kein Problem.“ Sie kennt die Pumps schon von Kindesbeinen an und kehrt regelmäßig in der Imbiss-Oase ein. „Wo kann man sonst noch als Frau allein hingehen?“, fragt die Einzelhändlerin für Kosmetika. „Hier ist alles gemütlich und unkompliziert – und vom Brummifahrer bis zum Steuerberater ist alles vertreten.“ Tatsächlich sind alle im Vorraum im Gespräch.
Hermann Pump, Rolands Vater, schenkt hinter der Theke aus und erläutert einem Handwerker, wie er einen Balkon trockenlegt. Der 70-Jährige war 31 Jahre Maurer, bevor er wegen einer Allergie den Beruf wechseln musste. Vor 25 Jahren hat er den Imbiss eigenhändig aufgebaut und gegründet.
Sein Jüngster übernahm als gelernter Koch den Laden. Doch auch den Senior zieht es noch drei Tage die Woche hinter den Tresen: „Fernsehgucken ist nicht mein Ding.“ Außerdem packt auch seine Tochter Martina Castor mit an. Roland Pump (36) kann sich trotz der Feiertage nicht über mangelnden Andrang beklagen: Eigentlich sollte Martina am Montag frei haben. Gerade noch hatte die 47-Jährige nach einem privaten Kaffee an der Theke einigen Gästen einen guten Rutsch gewünscht – da musste ihr Bruder sie per Handy wieder zurückordern: „Ich brauche deine Hilfe!“ Schon serviert sie Familie Hamm aus Curslack ihre Limos, während der Chef und seine Mutter Croques, Burger und Bratkartoffeln zubereiten. Baumpfleger Michael Nann wartet geduldig bei Apfelpunsch und Bergedorfer Zeitung auf sein Mittagessen. „Ich arbeite allein, doch in der Pause finde ich hier immer jemanden zum Klönen“, sagt er.
Wer heute, Mittwoch, noch Lust auf einen Umtrunk samt Plausch hat, hat dazu von 10 bis 22 Uhr Gelegenheit. Bis Montag, 4. Januar, ruht sich dann allerdings auch Familie Pump einmal aus. An den Wochenenden ist geschlossen, dann widmet Pump sich seinem Party-Service.
Artikelkommentare abonnieren
Kommentar abgeben
Noch kein Kommentar abgegeben



Abo
Printarchiv
Leserbrief
Kontakt
RSS
Preisvergleich
Leserreisen
Versicherungscheck
Energievergleich
Immobiliensuche








