Friedensbotschaft

Licht aus Bethlehem kommt mit der S-Bahn

Ein aufregender Moment. Pfadfinderin Katja Czarnecki bringt Pastor Mirko Klein das Licht, an dem er seines entzünden kann. Der Ursprung liegt in Bethlehem.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Ein aufregender Moment. Pfadfinderin Katja Czarnecki bringt Pastor Mirko Klein das Licht, an dem er seines entzünden kann. Der Ursprung liegt in Bethlehem.

Reinbek/Wentorf. Ein Licht geht um die Welt. Entzündet wurde es in Bethlehem, jetzt ist es in Wentorf angekommen. Den Pfadfindern sei Dank.

Reinbek/Wentorf..  Es sieht aus wie ein ganz normales Kerzenlicht – ist es aber nicht. Ganz vorsichtig, mit der Hand gegen jeden Windhauch geschützt, stellt Pastor Mirko Klein das Licht auf den Rundaltar der Martin-Luther-Kirche. „Diese Flamme kommt aus der Geburtsstätte Jesu in Bethlehem und leuchtet für Frieden und Hoffnung“, erklärt der 36-Jährige: „Ich werde sie nun sehr vorsichtig hüten.“

Dafür hat der Geistliche auch einen guten Grund: Seit fünf Jahren ist er einer der beiden Pastoren in der Wentorfer Kirchengemeinde, doch an Heiligabend wird Klein erstmals an Weihnachten den Mitternachtsgottesdienst um 23 Uhr gestalten. Und dort soll das Friedenslicht aus Bethlehem eine zentrale Rolle spielen. „In meiner Predigt wird es um Frieden und die Metapher des Lichts gehen“, verrät der Pastor. Frieden sei schließlich mehr als die Abwesenheit von Krieg. „Frieden bedeutet auch Offenheit, Austausch und Völkerverständigung.“

Docht für Docht einmal um die Welt

So sehen das auch die Pfadfinder, die seit 1986 die Flamme aus der Geburtsgrotte in Bethlehem Docht an Docht in die Welt tragen – ähnlich der olympischen Flamme. Die Aktion, ursprünglich von einem Landesstudio des Österreichischen Rundfunks ins Leben gerufen, ist seitdem mächtig gewachsen. Die Flamme wird in Lichterstafetten in ganz Europa verteilt, 2000 gelangte sie erstmals auch nach Übersee, 2001 brannte das Friedenslicht nach den Anschlägen vom 11. September in der Feuerwache am Ground Zero in New York. Allein in Deutschland sind 220 000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder in die Weitergabe der Flamme eingebunden.

Mit der S-Bahn angereist

Die 45-jährige Katja Czarnecki, vom Stamm Reinbek des Verbands christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder brachte die Flamme am Dienstagmorgen in die Kirche nach Wentorf. „Ich habe die Kerze am zweiten Advent in der Christuskirche in Eimsbüttel an einem Friedenslicht entzündet und dann mit der S-Bahn nach Reinbek gebracht“, erzählt Czarnecki. Für den Bahntransport der Flamme habe sie eigens eine Sondergenehmigung gehabt.

„Pfadfinder rennen ja nicht nur im Wald ‘rum“, betont sie: „Wir wollen uns mit der Lichterstaffel auch für Frieden, Völkerverständigung und Hoffnung in der Welt einsetzen.“ Dies sei gerade in diesen Tagen des Terrors besonders wichtig. „Als Flammenträger kommt man mit vielen Menschen ins Gespräch. Das ist die Aufgabe des Lichts.“

So tragen die Pfadfinder in der Adventszeit das Friedenslicht in Krankenhäuser, Polizeistationen, Gefängnisse, Rathäuser oder Asylbewerberheime – als Zeichen der Solidarität, völlig unabhängig von Religion oder Weltanschauung. Pastor Klein lobt dieses Engagement: „Es ist die Umsetzung der Bibelstelle, die in Bezug auf Christus sagt: ,Ich bin das Licht der Welt.’“