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Mart Schmidt – seit Jahren auf der Walz

Wentorf. Ein Zimmerergeselle macht in Wentorf Halt. Schon fast 10 Jahre ist Mart Schmidt unterwegs auf der "Walz", der traditionellen Wanderschaft des Gesellen. Hier sammelt er Erfahrungen - handwerklich und menschlich.
WAlz
Foto: Bluhm
Walzbuch, Hut und Stock: Mart Schmidt hat sich gestern das Wentorfer Siegel im Rathaus abgeholt.
Ein Kerl wie ein Baum. Flotter Schritt, stolzer, wagemutiger Blick, schwarze Kluft – so ist Mart Schmidt (33) unterwegs. Der Zimmerergeselle ist auf der Walz, auch bei minus 9 Grad, wie gestern gegen 10 Uhr. Nach dem Ziel gefragt, erzählt der Bremerhavener: „Erst einmal zum Rathaus, ein Siegel holen und dann weiter zum Arbeiten nach Hannover.“ Wieso Hannover? „Weil das auf dem Weg nach Leipzig liegt – dort wartet ein Mädchen“, sagt er, verschmitzt grinsend.
Mart Schmidt ist seit dem 10. November 2002 auf der Walz und sammelt Erfahrungen. Menschlich und handwerklich. Er kann viel erzählen, von netten Leuten, tollen Chefs, die es geschafft haben, dass er vier Monate blieb, wie der in Erfurt. Oder über solche, die ihm den Stempel verweigerten, weil sie wollten, dass er länger bleibt, oder von Mädchen. Denn es gibt nicht wenige, denen der 1,90-Meter-Mann gefällt. Aber es gibt nur „Mädchen“, nicht die Eine, die Richtige. „Wenn ich sie treffe und es einen guten Job gibt, dann bleibe ich“, sagt der Mann mit dem Drei-Tage-Bart.
Er trägt übrigens keinen Schal, nur ein T-Shirt unter dem weißen kragenlosen Hemd, der Staude, und dem schwarzen Cord-Jackett. „Wenn man in Bewegung ist, dann geht’s“, sagt er. Natürlich ist er weithin zu erkennen mit der schwarzen Schlaghose und dem schwarzen, breitkrempigen Hut. Komplett wird das zünftige Outfit mit dem Stenz, dem selbst in der Nähe von Frankfurt gefundenen und bearbeiteten Wanderstock aus Weißbuche, mit dem Charlottenburger, dem Bündel mit den Habseligkeiten und endlich dem Wanderbuch, in das sowohl Arbeitgeber als auch Bürgermeister, Landräte und Handwerkerschaften ihre Siegel drücken.
Nach fast zehn Jahren ist Mart Schmidts Buch fast voll. Imke Schaaff, Sekretärin von Bürgermeister Matthias Heidelberg, hört sich erst an, wie Schmidt in traditionellem Reim und Vers „zünftig um das Siegel vorspricht“. Dann sucht sie einen Platz im Buch und stört ihren Chef in der wichtigen Sitzung. „Dafür hat er immer Verständnis“, sagt sie und übergibt dem Bremerhavener Buch und 20 Euro als Zuschuss. „Das ist so Sitte. Das machen wir gern“, betont sie. Schmidt freut sich. „Bei der nächsten Gelegenheit wird ein Teil in eine lange Unterbüx investiert“, sagt er, schultert den Charlottenburger am Stenz und ab geht’s Richtung Hannover.
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