12.10.11

Umwelt

Letzte Hubertusjagd in der Lohe?

Wentorf. Die wilde Hubertusjagd darf dieses Jahr am 23. Oktober noch einmal durch die Lohe und den Bismarckforst streifen. Über ihre Zukunft wird die gerade gegründete Lenkungsgruppe in einem Moderationsprozess mit der Öffentlichkeit entscheiden. Von Susanne Tamm

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Foto: Anne Müller Zuschauer sind, wie im vergangenen Jahr, auch bei der diesjährigen Hubertusjagd am Sonntag, den 23. Oktober willkommen. Womöglich ist es die letzte.

Maßgeblich ist dafür das Leitbild, das das Bundesamt für Naturschutz für die Lohe als Nationales Naturerbe entwickelt hat. Wie berichtet, soll der ehemalige Truppenübungsplatz der Bundeswehr (etwa 240 Hektar) an die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein übertragen werden. Noch verhandeln die jetzige Eigentümerin, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), und die Stiftung über Personalfragen. Offenbar nur noch eine Formalität. Zu einem ersten Treffen der Lenkungsgruppe im Februar sind alle Interessierten eingeladen.

Dort sollen sich Interessensgruppen finden: beispielsweise Jogger, Hundebesitzer, Reiter, Jäger, Spaziergänger oder Naturschützer. Sie sollen jeweils Vertreter wählen, die für ihre Ziele sprechen. Mithilfe eines externen Moderators sollen sie, die Lenkungsgruppe und die Stiftung dann ein Wegekonzept erarbeiten. Da auch noch die Untere Naturschutzbehörde, das Landesamt für Naturschutz, der Naturschutzbeirat, der Nabu und der BUND ein Wörtchen mitzureden haben, kann es noch ein bis zwei Jahre dauern, bis das Konzept steht, erläuterte gestern Förster Eckard Wenzlaff, Mitarbeiter der Stiftung.

Er berichtete auf einem öffentlichen Spaziergang mit etwa 25 Teilnehmer über Veränderungen, die weniger umstritten sind als das Wegekonzept: " Ein Ziel der Stiftung ist die allmähliche Gestaltung zum naturnahen Wald ", erläuterte Wenzlaff. Darunter fallen die "Wiedervernässung " - die Stilllegung der Dränagen auf dem Gelände - und die Eindämmung fremder Arten wie der Fichte und der Amerikanischen Traubenkirsche.

Dabei denken die Mitarbeiter der Stiftung in sehr großen Dimensionen: " Einmal, vielleicht in 100 Jahren soll der Wald so weit sein, dass kein Mensch mehr eingreifen muss." Bis dahin jedoch wird auch die Stiftung in der Lohe Holz schlagen, stellte der Förster klar. "Wir werden das Holz nutzen, und wir werden es auch mit modernen Maschinen entnehmen. Es werden wieder Holzstämme auf den Wegen, aber auch im Wald liegen." Als Hackschnitzel sollten die Bäume aber nicht verkauft werden. Erlöse aus dem Holz sollten der Stiftung und dem Wald, beispielsweise durch Neupflanzungen zugute kommen.

Allerdings wolle die Stiftung keine Laubbäume antasten, sondern die Monokulturen der Fichten allmählich wieder in Mischwälder verwandeln. Die Monokulturen, die die Bundeswehr vor allem als Lärm- und Sichtschutz für ihre Übungen angepflanzt habe, seien eher Plantagen als gewachsene Wälder. "So leer gefegt wie dieser Teil des Waldes wird die Lohe künftig nicht mehr aussehen", kündigte der Förster an. Denn für die Artenvielfalt seien die Laubbäume, vor allem auch Totholz wichtig. Es biete Lebensraum für viele Insekten. Deshalb werde die Stiftung auch nicht bei jedem Wind- oder Schneebruch zwischen den Bäumen aufräumen, erklärte der " naturnahe Waldbauer", wie Wenzlaff sich selbst bezeichnet.

Ein Dorn im Auge ist ihm auch die Amerikanische Traubenkirsche, die sich durch einen scharfen, mandelähnlichen Geruch unter der Rinde und sehr ledrige Blätter auszeichnet. "Sie breitet sich stark aus und nimmt anderen Jungpflanzen das Licht", sagte Wenzlaff. "Die Vögel bevorzugen die Früchte, weil sie so süß sind." Diese Art aus Nordamerika wolle die Stiftung ebenfalls eindämmen.

Über Fragen zum Wegekonzept - wie über künftige Hubertusjagden - schwiegen sich Wenzlaff und Dr. Barbara Wilhelmy, Mitarbeiterin der Stiftung, aus. " Darüber entscheidet der Moderationsprozess", sagte Wilhelmy auf Nachfrage.

Lohe
Foto: Susanne Tamm Die fremde Amerikanische Kirsche macht Förster Eckard Wenzlaff in der Lohe Sorgen.
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