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Eltern und Kinder enttäuscht von Politik

Wentorf. Bitter enttäuscht sind etwa 50 Eltern, die am Donnerstagabend mit ihren Kindern im Rathaus aufliefen. Die Gemeindevertreter verweigerten ihnen Stellungnahmen zum Streitthema Turbo-Abitur.
Vincent (7), Anna, Dirk und Laurenz (11) Voßbeck wollen wie viele andere Wentorfer Familien erfahren, warum die Politiker sich gegen G9 (das Abitur nach neun Jahren) sperren.
Foto: Susanne Tamm
Vincent (7), Anna, Dirk und Laurenz (11) Voßbeck wollen wie viele andere Wentorfer Familien erfahren, warum die Politiker sich gegen G9 (das Abitur nach neun Jahren) sperren.
Die Eltern von Viert- und von Fünftklässlern des Gymnasiums wollten von den Gemeindevertretern hören, warum diese an ihrer Entscheidung für das Turbo-Abitur nach acht Jahren festhalten. „Wir haben unseren Sohn in Wentorf angemeldet, weil wir auf G9 gehofft haben“, erzählte beispielsweise Anna Voßbeck.
Doch die Familien bissen bei den Politikern auf Granit: Keine ihrer Fragen wurde beantwortet. „Wir befinden uns in einem schwebenden Verfahren“, begründete Andreas Hein, gerade frisch zum Bürgervorsteher gewählt, das Schweigen. Der Rückzug hinter dieses Argument kam schlecht an: „Wir fühlten uns wie ein Störfaktor“, klagte Dirk Voßbeck. „Wo bleibt da der Dialog mit dem Bürger?“
Wie berichtet, befasst sich das Oberverwaltungsgericht Schleswig mittlerweile mit der Frage, ob Wentorfer Gymnasiasten das Abitur nach neun (G9) oder bereits nach acht Jahren (G8) ablegen sollen. Schule und Eltern hatten sich für G9 ausgesprochen, die Gemeinde als Schulträger entschied jedoch aus Kostengründen – und mit knapper Mehrheit – für G8. Denn die Politiker befürchteten einen noch stärkeren Zulauf, wenn das Gymnasium als einziges der Umgebung G9 anbietet. Weil sich die beteiligten Parteien nicht einigen konnten, entschied Bildungsminister Dr. Ekkehard Klug (FDP) und ordnete mit sofortigem Vollzug G9 an. Die Gemeinde klagte jedoch dagegen.
Was den sofortigen Vollzug betrifft, gab das OVG Schleswig der Gemeinde Wentorf vergangene Woche recht. Vorläufig muss die Schule jetzt die G8-Lehrpläne organisieren.
Trotz der verhärteten Fronten baten die Eltern die Politik darum, ihre Position noch einmal zu überdenken. Denn die Anmeldezahlen seien wesentlich geringer ausgefallen als erwartet. Bürgervorsteher Hein versuchte, die emotionalen Wogen zu glätten, indem er auch Statements in der Einwohnerfragestunde zuließ. Fragen beantwortete er aber nicht – und stieß die Eltern damit vor den Kopf. „Wen vertreten Sie eigentlich?“, fragte eine Mutter das Gremium entnervt. „Die Gemeindevertreter sind für Gesamt-Wentorf da und die Eltern sind nur ein Teil davon“, sagte Bürgermeister Heidelberg. „Woher wissen Sie denn, was die Anderen wollen?“, fragte eine Mutter.
84 Kommentare
M. Brink meint:
Was Britta Jost da geschrieben hat ist ja wirklich nur lächerlich...

Ich denke, wir müssen uns einfach klar werden, dass momentan leider nur noch das Finanzielle zählt.
Die G8 / G9 - Debatte ist letztlich eine rein finanzielle, auch hier in Wentorf, denn das hat Herr Bürgermeister Heidelberg ja von Anfang an betont: Die Entscheidung für G8 ist keine pädagogische.
Schleswig-Holstein ist jawohl nahezu bankrott (Wentorf auch?) und dann muss eben auch in der Bildung gespart werden. Die pädagogische Sinnhaftigkeit ist für die Politik da zweitrangig. Und da Kiel es leider versäumt hat, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, muss da jetzt jede Schule einzeln tätig werden - damit den Lehrern (ist ja schließlich der "bestbezahlte Halbtagsjob"...) nicht langweilig wird.
Also los, GW: "Ab jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das..."

@Wentorfer Vater: Sie haben sich in Ihrem ersten Absatz offensichtlich vertippt und meinen dort anstatt G8 eigentlich G9. In den beiden Gerichtsurteilen geht es aber ausschließlich um den "sofortigen Vollzug" und nicht um die Entscheidung pro oder contra G8/G9 - das darf nicht vergessen werden!
Bettina Hinsenkamp meint:
Peter, und nun ist es an mir, mich bei Ihnen für Ihre sachliche und emotionsfreie Reaktion zu bedanken. Ein kurzer ergänzender Hinweis: Mir ist kein Gymnasium bekannt, in dem die Schulkonferenz und der Schulleiter unterschiedlicher Auffassung waren. Auf einen derartigen Fall hätten sich die Medien sofort gestürzt. Außerdem sind auch Lehrer in der Schulkonferenz vertreten, denen man pädagogischen Sachverstand unterstellen kann.
Peter meint:
Frau Hinsenkamp, vielen Dank für die Erläuterungen, die mir aber so durchaus auch bewusst waren.
Ich will auch gar nicht darüber streiten, zumal ich (wie bereits erwähnt) die Beweggründe der einzelnen Vertreter an den anderen Schulen nicht kenne. Ich habe lediglich ausdrücken wollen, dass eine Entscheidung pro oder contra G8/G9 nicht automatisch eine Entscheidung im Sinne der Schulleitung ist, sondern, wie Sie ja richtig erwähnen, der Schulkonferenz. Ob deren Votum und das der Schulträger immer pädagogisch ausfallen ist natürlich zu hoffen, wissen tun wir es jedoch von hier aus nicht.

Zu IHRER Einschätzung der Umsetzung von G8 am GW kann ich natürlich nicht viel sagen, aus meiner Sicht war sie - für die gegebenen Umstände - so schlecht jedoch nicht, wie es hier offensichtlich von einigen gesehen wird.

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