01.07.11

Turbo-Abitur

Eltern und Kinder enttäuscht von Politik

Wentorf. Bitter enttäuscht sind etwa 50 Eltern, die am Donnerstagabend mit ihren Kindern im Rathaus aufliefen. Die Gemeindevertreter verweigerten ihnen Stellungnahmen zum Streitthema Turbo-Abitur.

Vincent (7), Anna, Dirk und Laurenz (11) Voßbeck wollen wie viele andere Wentorfer Familien erfahren, warum die Politiker sich gegen G9 (das Abitur nach neun Jahren) sperren.
Foto: Susanne Tamm Vincent (7), Anna, Dirk und Laurenz (11) Voßbeck wollen wie viele andere Wentorfer Familien erfahren, warum die Politiker sich gegen G9 (das Abitur nach neun Jahren) sperren.

Die Eltern von Viert- und von Fünftklässlern des Gymnasiums wollten von den Gemeindevertretern hören, warum diese an ihrer Entscheidung für das Turbo-Abitur nach acht Jahren festhalten. "Wir haben unseren Sohn in Wentorf angemeldet, weil wir auf G9 gehofft haben", erzählte beispielsweise Anna Voßbeck.

Doch die Familien bissen bei den Politikern auf Granit: Keine ihrer Fragen wurde beantwortet. "Wir befinden uns in einem schwebenden Verfahren", begründete Andreas Hein, gerade frisch zum Bürgervorsteher gewählt, das Schweigen. Der Rückzug hinter dieses Argument kam schlecht an: "Wir fühlten uns wie ein Störfaktor", klagte Dirk Voßbeck. "Wo bleibt da der Dialog mit dem Bürger?"

Wie berichtet, befasst sich das Oberverwaltungsgericht Schleswig mittlerweile mit der Frage, ob Wentorfer Gymnasiasten das Abitur nach neun (G9) oder bereits nach acht Jahren (G8) ablegen sollen. Schule und Eltern hatten sich für G9 ausgesprochen, die Gemeinde als Schulträger entschied jedoch aus Kostengründen – und mit knapper Mehrheit – für G8. Denn die Politiker befürchteten einen noch stärkeren Zulauf, wenn das Gymnasium als einziges der Umgebung G9 anbietet. Weil sich die beteiligten Parteien nicht einigen konnten, entschied Bildungsminister Dr. Ekkehard Klug (FDP) und ordnete mit sofortigem Vollzug G9 an. Die Gemeinde klagte jedoch dagegen.

Was den sofortigen Vollzug betrifft, gab das OVG Schleswig der Gemeinde Wentorf vergangene Woche recht. Vorläufig muss die Schule jetzt die G8-Lehrpläne organisieren.

Trotz der verhärteten Fronten baten die Eltern die Politik darum, ihre Position noch einmal zu überdenken. Denn die Anmeldezahlen seien wesentlich geringer ausgefallen als erwartet. Bürgervorsteher Hein versuchte, die emotionalen Wogen zu glätten, indem er auch Statements in der Einwohnerfragestunde zuließ. Fragen beantwortete er aber nicht – und stieß die Eltern damit vor den Kopf. "Wen vertreten Sie eigentlich?", fragte eine Mutter das Gremium entnervt. "Die Gemeindevertreter sind für Gesamt-Wentorf da und die Eltern sind nur ein Teil davon", sagte Bürgermeister Heidelberg. "Woher wissen Sie denn, was die Anderen wollen?", fragte eine Mutter.

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