Kaltehofe
Noch liegt die "Wasserkunst" trocken
Freitag, 20. August 2010 20:44
- Von Jule Monika Witt
Rothenburgsort. Die Arbeiten für das Besucherzentrum, das Einblick in Hamburgs frühe Grinkwasserversorgung geben soll, haben begonnen. Die Eröffnung des kulturhistorischen Industriedenkmals verschiebt sich jedoch auf das Frühjahr 2011.
Zwei-, dreimal drückt die Baggerschaufel gegen die rotgeklinkerte Wand, dann gibt sie nach, und ein großes Loch klafft in der Mauer. Stück für Stück stürzt das alte Werksgebäude in sich zusammen, Umkleiden und gekachelte Duschräume stehen plötzlich im Freien. Ursprünglich sollten hier, wo jetzt die Abrissarbeiten auf Hochtouren laufen, bereits Besucher flanieren – auf den wiederhergestellten Wegestrukturen der ersten Hamburger Wasserfiltrationsanlage von 1893. Doch die „Wasserkunst Kaltehofe“ lässt noch auf sich warten. „Es hat ein Jahr gedauert, bis wir alle Baugenehmigungen hatten“, sagt Carsten Roth, Sprecher von Hamburg Wasser. So verschiebt sich die Eröffnung, die für diesen Sommer geplant war, auf das Frühjahr 2011. Projektleiter Arne Sörensen sieht es gelassen. Für ihn zählt das Ziel: ein kulturhistorisches Industriedenkmal für die Öffentlichkeit erschließen.
Seit 1990 ist die Elbinsel ungenutzt und bietet mit den verwilderten Anlagen zahlreichen Tierarten einen Lebensraum. Knapp 100 Jahre zuvor bereiteten hier die Hamburger Wasserwerke Elb- und seit 1964 ausschließlich Grundwasser auf. Von den insgesamt 58 Hektar gehören 45 Hamburg Wasser. Auf ihnen befinden sich die historischen Filterbecken – jedes so groß wie ein Fußballfeld –, die Schieberhäuschen und die Villa. In ihr war lange Zeit das Hygiene-Institut untergebracht.
14,3 Hektar sollen nun in die „Wasserkunst“ eingebunden werden – darunter auch acht der 22 Becken. „Zwei werden wir verlandet lassen“, sagt Sörensen, „aber es sind auch aktive Bereiche mit Modellbooten oder einem Museumsfilterbecken vorgesehen.“ Das eigentliche Besucherzentrum wird aus der historischen Verwaltungsvilla und dem Neubau, der „Wasserkunst“, bestehen. Beide Gebäude sind durch eine Unterführung verbunden und sollen für Ausstellungen, Filmvorführungen und Seminare genutzt werden. Außerdem gibt es in der Villa ein Cafe'. Sieben Millionen Euro stehen zur Verfügung. Vier Millionen stammen aus dem Konjunkturprogramm, drei Millionen steuert Hamburg Wasser bei.
Das Projekt erntete überwiegend Lob, aber es gab auch Einwände. Hauptkritikpunkt ist, dass der Kaltehofe Hauptdeich mit dem Start der „Wasserkunst“ für Autos und Busse geöffnet werde. „Es wird keinen Durchgangs- und keinen Suchverkehr geben“, sagt Sörensen. Besucher können die Schranke nur öffnen, wenn sie ein Parkticket für einen der 80 Pkw-Stellplätze (ursprünglich 120) lösen. Sind alle Parkplätze besetzt, bleibt die Schranke geschlossen. Ebenso wird eine Beleg-Anzeige am Sperrwerk Auskunft über die Zahl der freien Plätze geben.



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