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Kreisrunde Hightech-Anlage

Reitbrook. Kerzengrade recken sie ihre grünen Blütenknospen in den Himmel. Doch diese Sonnenblumen, die auf einer Fläche von 50 Hektar wachsen, werden in keiner Vase landen, vielmehr sollen sie Energie liefern.
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Biogas-Anlage
Foto: Monika Witt
Mit der Abwärme der beiden Blockheizkraftwerke werden die Gebäude am Vorderdeich beheizt und die Biomasse erwärmt.
Ihr Transportweg wird nicht weit sein. Denn in unmittelbarer Nähe entsteht am Vorderdeich eine „Hightech-Biogasanlage, die es so in ganz Hamburg noch nicht gibt“, sagt Bauherr Richard Herrling.
Das runde Gebäude besteht aus drei Betonringen. Der äußere hat einen Durchmesser von 38 Metern und setzt sich aus 102 Betonelementen zusammen – jedes sieben Tonnen schwer. Die langen Rührwerke, die in Kürze die Biomasse umwälzen sollen, ragen bereits von der 6,50 Meter hohen Decke weit in die beiden ersten Ringe hinein. Als nächstes erhalten die Wände noch einen Anstrich mit einer speziellen Kunststofffarbe, „damit die gärende Biomasse den Beton nicht angreift“, sagt Herrling.
Spätestens Anfang September möchte der Reitbrooker die Anlage, die sowohl Professor Paul Scherer von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften als auch die TU Harburg wissenschaftlich betreut, anfahren. Sie wird ausschließlich mit nachwachsenden Rohstoffen befüllt. Täglich 24 Tonnen Mais- und Ganzpflanzensilage, Grasschnitt, Sonnenblumen und vieles mehr schieben die Schnecken in den ersten, 6000 Kubikmeter fassenden Ring. Die Biomasse wird mit Gärrest verdünnt, der bei der Inbetriebnahme angeliefert werden muss, „weil wir ja noch keinen eigenen haben“, sagt Herrling. Alles wird gut durchgerührt und auf 37 Grad Celsius erwärmt. Radarsonden garantieren, dass sich die Masse in einer gleichbleibenden Geschwindigkeit von 20 Zentimetern pro Sekunde bewegt. „Sind die Bakterien zu schnell, werden sie geblitzt“, sagt Herrling schmunzelnd.
Vom ersten Ring wird die Biomasse in den zweiten – den Hauptfermenter – gepumpt. Dort geht der eigentliche Gärprozess vonstatten. Ist die Masse ausgegoren, gelangt der Rest in den innersten Ring und kann als Volldünger wiederverwendet werden. „Damit ist der Kreislauf ‚Vom Feld zurück aufs Feld’ geschlossen“, sagt Herrling.
Die wassergesättigte Gasmischung, die sich in allen drei Ringen bildet, wird in einem 1500 Kubikmeter fassenden, kuppelförmigen Speicher aufgefangen. Luftdruck zwischen den beiden Kunststoffmembranen sorgt dafür, dass der Gasdruck konstant bleibt. Sobald die Gasmischung gefiltert, gereinigt und auf 4 Grad Celsius abgekühlt wurde, damit sich das Wasser vom Gas trennt, wird es in eine Leitung eingespeist, die direkt neben der Anlage im Boden verläuft.
Herrling und seine wissenschaftlichen Mitstreiter haben sich ehrgeizige Ziele gesteckt. So soll die Anlage, die pro Stunde jeweils 500 Kilowatt (kW/h) elektrische Energie und Wärme erzeugt, auf eine Leistung von knapp zwei Megawatt hochgefahren werden. „Im Labor funktioniert das Verfahren hervorragend, im 1:1-Maßstab haben wir es noch nicht getestet“, sagt er. Bewähren sich die entwickelten Patente, dann kann Richard Herrling sowohl sie als auch komplette Anlagen verkaufen. Anfragen gibt es bereits.
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