Vier Wochen
Google Streetview: Montag startet Widerspruchsfrist
Donnerstag, 12. August 2010 17:24
- Von Jule Monika Witt
Bergedorf. Zum Jahresende will der Internetkonzern Google fotografierte Straßenszenen aus Hamburg und 19 anderen deutschen Städten in seinem „Streetview“-Service veröffentlichen. Datenschützern stehen schon jetzt die Haare zu Berge, sobald sie sich die Konsequenzen ausmalen.

Foto: Axel Werner/bz
Ein Google Auto fährt durch den Weidenbaumsweg in Bergedorf.
Jeder Kriminelle könne dann mit dem Laptop auf den Knien seinen nächsten Einbruch planen, lautet einer der Kritikpunkte.
Doch so einfach ist das auch wieder nicht. Mieter und Eigentümer, die nicht wollen, dass ihre Häuser im Netz sichtbar sind, könnenvon Montag, 16. August, an vier Wochen lang Widerspruch einlegen. Dafür gibt es folgende Möglichkeiten: entweder unter www.google.de/streetview oder per Brief an Google Germany GmbH, betr.: Street View, ABC-Straße 19 in 20354 Hamburg. „Am einfachsten ist es, sich unter www.grundeigentuemerverband.de das entsprechende Formular herunterzuladen, das unter der Rubrik ‚Aktuelles’ zu finden ist“, sagt Heinz Pilzweger, Geschäftsführer des Grundeigentümervereins Bergedorf. Johannes Caspar bleibt dennoch skeptisch. Zwar hatte Hamburgs oberster Datenschützer mit Google vereinbart, dass Mieter und Hausbesitzer vor der Einführung von Street View Widerspruch gegen die Darstellung ihres Gebäudes im Internet einlegen können. Die Zeit von vier Wochen sei aber zu knapp bemessen, zumal die Frist noch in den Sommerferien starte.
Neben Hamburg geht der „Streetview“-Service mit 19 weiteren größeren Städten und damit erstmals mit deutschen Inhalten ans Netz. Die Aufnahmen – jeweils mehrere Zehntausend Fotos in einer 360-Grad-Rundumsicht – entstanden seit Sommer 2008. Jedes Foto wurde mit Geodaten versehen, also den genauen Längen- und Breitengraden. Google fügte diese Bilder anschließend zu riesigen Städtepuzzles zusammen.

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Aigner, bitte erstmal im eigenen Haus kehren! meint:
"Es gibt aber längst Internet-Anbieter, die Telefonbuchdaten mit Luftbildern von Wohngebieten verbinden. Wer das vermeiden will,
müsste seine Telefonnummer aus dem öffentlichen Verzeichnis streichen lassen."
Das nutzt wohl wenig. Der Staat selbst, genauer das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie stellt ja selbst einen Luftbild-Dienst DOP-Viewer/Geoview zur Verfügung. Da lassen sich Adressen genauestens einem Gebäude zuordnen. Und noch besser, es lassen sich sogar zu
allen Häusern im gezeigten Ausschnitt die entsprechende Strasse/Hausnummer einblenden.
Prima Dienst, besser als google maps/earth in der Hinsicht
Sommerloch meint:
*K*ein Gespenst geht um im Medienwald, wenn es um die kommende "Volkszählung 2011" geht, es herrscht Schweigen im Blätterwald (von einigen lobenswerten Ausnahmen wie z.B. heise abgesehen).
å
Wohnungseigentåümer und 10 Prozent der restlichen Bevölkerung *verpflichtet*, einen umfassenden Fragebogen zu beantworten, es geht hier nicht nur um die Außenansicht ihrer Wohnung, sondern um "Geschlecht, Alter, Familienstand, Staatsangehörigkeit, Geburtsort und -staat, Beruf, Arbeitsort, Haushaltsgröße, Familientyp sowie die Angaben zu Gebäudegröße, Zahl der Bewohner und Art der Ausstattung".
Nachfragen:
- Dürfen wir damit rechnen, daß auch dieses Thema irgendwann gebührende Beachtung in den Medien bekommt?
- Wird sich gar unser Super-Guido als verkannter Revolutionär outen, indem er zivilen Ungehorsam gegen diese "Befragung" propagiert?
- Welches Bundesministerium stellt als erstes ein Formular ins Web, auf dem ich wirksam erklären kann, daß ich an dieser "Befragung" nicht teilnehmen möchte?
Erich Auskenner meint:
Ich will mich über die vier gar nicht lustig machen. Ihnen war möglicherweise nicht klar, dass die Rheinische Post eine Webseite betreibt und ihre Namen und ihr Foto weltweit verbreitet würden. Vielleicht wissen sie auch nicht, dass die deutschen Telefonbücher online durchsuchbar sind. Wahrscheinlich ist ihnen nicht klar, dass der gesamte Planet, inklusive des Mendelwegs, ständig hochauflösend von Satelliten fotografiert wird und dass die so entstehenden Bilder auf dutzenden von Wegen einsehbar sind. Und mit Sicherheit ist ihnen nicht bekannt, dass E-Rent ganz Düsseldorf gefilmt und ins Netz gestellt hat. Aber ihr Protest kann durch dieses gesammelte Nicht-Wissen als uninformiertes Nachplappern von Sommerloch-Parolen entlarvt und kann damit als Sinnbild für die gesammte Street-View-Kontroverse stehen.