Schulbau
Zu laut, zu nah und reine „Willkür“
Donnerstag, 5. August 2010 20:30
- Von Jule Monika Witt
Kirchwerder. Ausschlafen und bei schönem Wetter den Garten genießen – so hatte sich Nicole Mentz ihren Urlaub vorgestellt. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus.

Foto: Monika Witt
Eim blick aus dem Kinderzimmer: Auf der Rückseite des Hauses von Nicole Mentz dröhnen die Bagger - direkt hinter dem Baum.
Erst raubte ihr und ihren Nachbarn das Kreischen der Motorsägen die Ruhe, als vor zwei Wochen für die sechs neuen Schulcontainer mehrere Bäume gefällt wurden. Nun reißt sie jeden Morgen um 7 Uhr das dumpfe Dröhnen der Bagger aus dem Schlaf.
Die Anwohner des Kirchwerder Hausdeichs, deren Grundstücke vor dem Gelände der Schule Kirchwerder liegen, sind genervt. Wie berichtet, war weder die Fällaktion zum Zeitpunkt der Arbeiten genehmigt, noch liegt bislang eine Baugenehmigung vor – geschweige denn, dass die Nachbarn der Schule über deren Bauvorhaben informiert worden wären. „Das ist Behördenwillkür“, schimpft Klaus Peters, der auch nicht einsehen mag, dass die Container unmittelbar an den Grundstücksgrenzen aufgestellt werden müssen: „Das Schulgelände ist groß genug, bietet auch an anderen Stellen Platz.“
Das Bezirksamt Bergedorf erteilte nachträglich eine Fällgenehmigung, „weil die Schüler nach den Ferien den Platz in den neuen Containern brauchen“, sagt die stellvertretende Bezirksamtsleiterin Angela Braasch-Eggert. Darüber hinaus schrieb sie einen deutlichen Brief an die Geschäftsleitung der für den Schulbau zuständigen Abteilung in der Finanzbehörde und führte mehrere Gespräche. „Der Geschäftsführer hat sich ausdrücklich entschuldigt“, sagt Braasch-Eggert, die eine Ursache für die Versäumnisse darin sieht, dass es sich um eine neu aufgebaute Abteilung handelt. So fehlte für die Genehmigungen die Zustimmung der Träger öffentlicher Belange, die aber in diesem Fall gar nicht erforderlich gewesen wäre.
„Wir haben das Bauvorhaben geprüft“, sagt Braasch-Eggert. „Alles ist in Ordnung.“ Auch der gesetzlich geforderte Abstand zu den Nachbargrundstücken sei eingehalten worden. Die sechs Container dienen als Ersatzfläche für diejenigen Klassenzimmer, die zu Fachräumen umgebaut werden. Denn die braucht die Schule Kirchwerder, wenn sie Stadtteilschule mit gymnasialer Oberstufe werden soll. „Etwa in zwei Jahren sollen die Container wieder abgebaut werden“, sagt Braasch-Eggert.
Der Sozialdezernentin haben die Ereignisse in Kirchwerder gezeigt, „dass wir uns dringend mit Schul- und Finanzbehörde abstimmen müssen, welche Bauplanungen es für die Schulen im Bezirk Bergedorf noch gibt“.
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