Jugend-Workcamp
Auf der Suche nach Verbindungen
Mittwoch, 4. August 2010 20:23
- Von Thomas Heyen
Neuengamme. Sie kommen aus Kirgisien, Korea, Italien und acht weiteren Ländern, beschäftigen sich zwei Wochen lang mit der Geschichte des Konzentrationslagers Neuengamme: 17 junge Menschen, die von vier sogenannten Teamern und weiteren Gedenkstätten-Mitarbeitern betreut werden, bilden das Internationale Jugend-Workcamp zum Thema „Verbindungen“.
Die Umgebung des ehemaligen Konzentrationslagers am Jean-Dolidier-Weg steht im Mittelpunkt der Arbeit der Workcamp-Teilnehmer. Sie begeben sich auf die Spuren der vielen Verbindungen, die es damals zwischen dem KZ und seiner näheren Umgebung gab. Unter anderem besuchen die Gäste die Gedenkstätte des ehemaligen Außenlagers der Firma Dräger in Wandsbek. Doch auch Gebäude in Bergedorf, etwa das frühere Heim der Hitler Jugend am Neuengammer Hausdeich, haben die Hobby-Forscher im Blick. „Ich möchte mit den Menschen sprechen, die in solchen Häusern leben, sie etwa fragen, ob sie überhaupt wissen, was früher dort geschah“, sagt Dascha Efimenko (19) aus Moskau.
Für diese Touren stehen den Teilnehmern und Betreuern 50 Fahrräder zur Verfügung: Sie wurden von Lesern unserer Zeitung gespendet, die einem entsprechenden Aufruf gefolgt waren.
Margarita Pavlova (20) studiert in Sofia Rechtswissenschaften. „Wer politisch mitreden möchte, der sollte auch über die Vergangenheit gut Bescheid wissen“, sagt die Bulgarin, die vor Beginn des Workcamps am vergangenen Sonnabend in Berlin unterwegs war – „auf Museums-Tour“. Auf dem Gedenkstättengelände fasziniert sie vor allem der frühere Appellplatz: „Der war das Herz des Lagers. Ich will im Archiv mehr über seine Funktion herausfinden.“
Neben den Erkundungstouren und dem Forschen im Archiv der Gedenkstätte wird das Miteinander im Camp groß geschrieben: „Die Teilnehmer kochen und leben zusammen“, sagt Teamer Martin Reiter. „Sie sind sehr interessiert an unterschiedlichen Kulturen und finden es spannend, mit so vielen verschiedenen Nationalitäten zusammen zu sein.“ Die Unterhaltungen werden auf Englisch geführt. Die jungen Leute übernachten in einem Gebäude, in dem früher die Garagen und Büros der SS untergebracht waren.
Internationale Jugend-Workcamps gibt es in Neuengamme seit 1983. Organisiert werden sie von dem Gedenkstätten-Team, der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme (früherer Zusammenschluss ehemaliger deutscher Häftlinge) und dem Service Civil International (SCI). „Der SCI vermittelt jährlich rund 1000 verschiedene Projekte in Workcamps rund um den Globus, darunter auch Naturschutz-Projekte“, berichtet Dr. Reimer Möller, Leiter des Gedenkstätten-Archivs.
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