Hamburger Yacht-Club
Nirgendwo in der Stadt gibt’s mehr Motorjachten als hier
Mittwoch, 17. März 2010 20:35
- Von Thomas Heyen
Tatenberg. Nirgendwo in Hamburg gibt es so viele Jachten wie auf der Dove-Elbe nahe der Tatenberger Schleuse. Etwa 600 der mindestens 1500 Sportmotorboote auf Hamburgs Wasserstraßen sind dort beheimatet.
Jachtclubs, ein Bootshandel und Anbieter von Winterlagerplätzen für die Boote säumen das Ufer am Moorfleeter Deich. Gegenüber, im „Hamburger Yacht-Club“ (HYC) am Tatenberger Deich 144, dem größten der Stadt, liegen 168 Motorjachten. Der Verein ist seit seiner Gründung im Jahre 1961 stetig gewachsen. Heute gibt es keine freien Liegeplätze mehr. Derzeit machen die Bootseigner ihre schwimmenden Wohnzimmer fit für die neue Saison.
Nur knapp 40 der 168 Schiffe sind bereits startklar, denn sie sind das ganze Jahr im Wasser. Die anderen sind noch im Winterlager, werden repariert oder mit einem neuen Anstrich versehen. Anfang April hebt ein Kran die Jachten ins Hafenbecken.
Wer sein Schiff regelmäßig an einem der Stege des Tatenberger Clubs festmachen will, muss sich auf die Warteliste setzen lassen, zudem ein Vereinsmitglied kennen, dass für ihn bürgt, sich während der einjährigen Probezeit bewähren und 600 Euro Aufnahmegebühr zahlen. Hinzu kommen die Liegegebühren.
Etwa 370 Mitglieder zählt der Club – Bootsseigner und deren Familien. Kaum ein Skipper ist unter 50 Jahre alt. Die Yachten der Freizeit-Schipper sind fünf bis 15 Meter lang – von der Nussschale mit Außenbordmotor bis zur edlen Jacht, die weit mehr als eine Million Euro kostet. „85 Prozent der Schiffe sind mindesten zehn Meter lang. Das war vor 20 Jahren anders. Im Laufe der Jahrzehnte wurden immer größere Jachten der Normalfall“, sagt Wolfgang Vogel, Vorsitzender des HYC.
Viele unter den Freizeit-Kapitänen beliebte Ziele sind nicht weit von dem Jachthafen entfernt: Der City-Sporthafen am Baumwall (etwa eine Stunde Fahrzeit inklusive Schleusung), Geesthacht (zwei Stunden) oder Lauenburg (sechs Stunden). An den Wochenenden oder im Urlaub geht’s ins Alte Land, zur Ostsee oder elbabwärts zur Nordsee.
Weil es nach Bergedorf nicht über die Strom-, sondern über die Dove-Elbe geht, dauert die Fahrt von Tatenberg etwa zwei Stunden. „Dort dürfen Schiffe wegen des Uferschutzes maximal acht Stundenkilometer schnell sein, während es für die Stromelbe keine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt“, sagt Vogel. Doch das macht den Skippern nichts aus: „Wir sind Wasserwanderer, keine Raser. Auf unseren schwimmenden Wohnmobilen suchen wir Ruhe und Erholung.“ Der Weg sei das Ziel.
Vogel, der sich 1974 eine Nussschale kaufte, seitdem vom „Boots-Virus“ infiziert ist und heute die Zehn-Meter-Jacht „Bin ’ne bang“ (Bin nicht bange) besitzt, verbraucht mit seinem Schiff pro Seemeile (1,85 Kilometer) einen Liter Diesel – bei softem Tempo. Bei voller Fahrt schluckt die Jacht locker 120 Liter pro Stunde. „Viele fahren deshalb gern nur kurz hier um die Ecke, ankern dort und baden“, sagt der 64-jährige Rentner, der bis Januar als Verkaufsleiter eines Schiffsmotorenherstellers gearbeitet hat. Im Sommer verbringt er „70 bis 80 Tage an Bord“. Platz für andere Freizeitaktivitäten sei da nicht. Und auch das Geld könnte irgendwann knapp werden: „Das ist ein teures Hobby.“
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