Schlupfwespen und Raubmilben
Natürliche „Geheimwaffen“ immer häufiger im Einsatz
Dienstag, 16. März 2010 20:08
- Von Thomas Heyen
Fünfhausen. Gemüsegärtner setzen Nützlinge schon seit Jahrzehnten ein. Schließlich will niemand Tomaten oder Gurken essen, die mit Unmengen chemischer Pflanzenschutzmittel bearbeitet wurden. Anders sieht es bei den Zierpflanzen aus:
Nur rund 15 Prozent der etwa 350 Zierpflanzengärtner in den Vier- und Marschlanden arbeiten in ihren Gewächshäusern mit Nützlingen. Doch es werden stetig mehr, denn beim Kampf gegen Schädlinge versagen Pestizide immer häufiger. Viele Schädlinge sind resistent gegen die Chemo-Keule.
Die schlimmsten Schädlinge sind Spinnmilben, Kalifornische Blütenthrips (ähnlich den Gewittertierchen) und Weiße Fliegen (Motten-Schildläuse). „Sie ernähren sich vom Saft der Pflanzen, so dass die Blumen klein bleiben oder braune Knospen kriegen“, sagt Elisabeth Götte vom Pflanzenschutzdienst Hamburg am Ochsenwerder Landscheideweg 275.
Als natürlicher Schutz helfen vor allem Schlupfwespen, Gallmücken und verschiedene Raubmilben, darunter die Geheimwaffe „Amblyseius swirskii“. Götte: „Diese Raubmilbenart wird von immer mehr Gärtnern eingesetzt. Sie tötet sowohl Spinnmilben als auch Kalifornische Blütenthrips und Weiße Fliegen.“ Die Nützlinge werden ausgestreut, auf Bohnenblättern oder in kleinen, gelöcherten Papiertüten über die Pflanzen gelegt. Benötigt werden pro Quadratmeter unterschiedliche Mengen – von einer Schlupfwespe bis zu 1000 Raubmilben.
„Der Nützlingseinsatz im Zierpflanzenbau hat stark zugenommen“, sagt die Gartenbau-Ingenieurin. Wurden vor zehn Jahren Nützlinge auf etwa fünf Hektar Zierpflanzen eingesetzt, sind es heute rund 20 Hektar.
Von Schädlingen befallen werden in den Gewächshäusern der Zierpflanzengärtner im Landgebiet vor allem Rosen (insgesamt etwa 40 Hektar unter Glas, Nützlingseinsätze auf gut acht Hektar) und Gerbera (gut zwei von insgesamt etwa drei Hektar). Die Pflanzen stehen zwischen drei (Gerbera) und acht Jahren (Rosen) im Gewächshaus, lediglich ihre Stiele werden abgeschnitten. In dieser Zeit können sich die Schädlinge hervorragend ausbreiten.
Dabei ist es für die Gärtner sehr wichtig, dass ihre Blumen frei von Schädlingen sind. Schließlich will kein Kunde seine Wohnung mit Rosen zieren, über deren Blätter Blattläuse krabbeln. Deshalb werden von den meisten Gärtnern Insektizide (gegen Insekten), Fungizide (gegen Pilze) und Akarizide (gegen Spinnweben) eingesetzt.
Doch mit Chemie ist etwa Kalifornischen Blütenthrips, die gern Rosen, Gerbera und Chrysanthemen befallen, kaum noch beizukommen. Die Umstellung auf natürlichen Schutz ist aber nicht einfach: „Nützlinge können sterben, wenn im Vorjahr Pflanzenschutzmittel verwendet wurde“, sagt Götte. Die Lösung sind spezielle nützlings-freundliche Pestizide, die zumindest eine Saison lang verwendet werden müssen.
In Süddeutschland werden Nützlinge auch unter freiem Himmel eingesetzt, doch dafür ist es hier zu kalt: Die kleinen Helfer brauchen Wärme. Erhältlich sind sie im Fachhandel. Gern helfen auch Elisabeth Götte und ihre Kollegen, die unter Telefon (040) 73090679 erreichbar sind.
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