Tierdrame
Jetzt verhungern die Schwäne
Freitag, 19. Februar 2010 21:57
- Von Jule Monika Witt
Kirchwerder. So etwas hat selbst der erfahrene Olaf Nieß noch nicht erlebt: Mitten auf einer Deichstraße Wildschwäne, die ihn und andere Autofahrer um Futter anbetteln. Die Not ist groß unter den majestätischen Vögeln.

Foto: citynewstv.de
Schwanenvater Olaf Nieß hat einen jungen Höckerschwan eingefangen – zu erkennen an seinem noch grauen Gefieder. Der entkräftete Vogel wird jetzt im Winterquartier der Alsterschwäne aufgepäppelt.
Nicht nur, dass sie seit Wochen kaum Futter finden, weil die Wiesen und Felder unter einer dicken Schneedecke liegen. Auch die Gräben und Seen, in denen sie ihre Lieblingsspeise – Wasserpflanzen – finden und aus denen sie trinken, sind zugefroren. „Viele sind nicht nur kurz vorm Verhungern, sondern auch vorm Verdursten“, sagt Hamburgs Schwanenvater, der sich zurzeit hauptsächlich um die Alsterschwäne im Eppendorfer Winterquartier kümmert.
Während der vergangenen Tage meldeten sich bei Nieß immer mehr Anwohner aus den Vier- und Marschlanden, die tote oder völlig geschwächte Schwäne gesehen hatten. Der 42-Jährige wollte sich selbst ein Bild machen, fuhr ins Landgebiet. Die Anrufer hatten nicht übertrieben. „Vor allem den jüngeren Tieren hat der Winter arg zugesetzt“, sagt Nieß. „Einige Tiere haben mehr als 60 Prozent ihres Gewichts verloren.“ Hunger und Durst versetzten die Vögel in eine Art Trance, „sie sind nicht mehr Herr ihrer Sinne“. Das führt dazu, dass sie sich in Lebensgefahr begeben, weil sie auf den Straßen die Wassergeräusche der vorbeifahrenden Autos hören.
Schwanenexperte Nieß erkennt schon an der geneigten Kopf- und Körperhaltung, welchem Vogel es schlecht geht. Sieben Hungerleider fing er im Langebiet ein. Zusammen mit 33 anderen Wildschwänen, die er während der vergangenen Tage in ganz Hamburg auflas, werden sie im Winterquartier am Mühlenteich mit speziellem Kraftfutter und Wärmelampen wieder aufgepäppelt. Nächste Woche will Nieß noch einmal ins Landgebiet fahren und nach dem Rechten sehen. Denn auch das momentane Tauwetter bringe keine schnelle Verbesserung der Situation.
Übrigens: Die Wildgänse sind noch nicht so in Not. „Sie brauchen weniger Fressen und sind auch robuster“, sagt Olaf Nieß.

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Andrea Madadi meint:
Viele Grüße von Andrea Madadi